Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

„Contagion“: spannungsfreies Kopfkino

Im Podcast reden die Üblichen Verdächtigen (heute etwas länger) über das Genre Epidemiefilm, sehr guten Schnitt, unpassende Lounge-Musik, zuviele Stars und zuwenig Projektionsflächen, Andromeda Strain und Händeschütteln:

Es gibt Filme, deren Qualität unbestreitbar ist. Ob sie einen aber auch unterhalten, ist eine ganz andere Frage. Zu diesen Filmen gehört Soderberghs „Contagion“, der die Regeln des Genre nicht befolgen will. Im Film ist die Aufmerksamkeit auf viele Personen verteilt: eine untreue Geschäftsreisende, ein gehörnter Ehemann, der seine Tochter retten will, vier ganz verschiedene Mitarbeiter der WHO, ein rebellischer Blogger, alle dargestellt von großartigen (und sehr bekannten) Schauspielern. Spannung ist auf der Jagd nach dem Patient Null, bei der Suche nach dem Heilmittel, auf der Flucht vor Infizierten eigentlich vorprogrammiert. Es sei denn Herr Soderbergh hat sich in den Kopf gesetzt, genau das zu verhindern. Mit Erfolg.

Contagion
USA, VAE 2011, 105 Min., Regie: Steven Soderbergh

Andere Meinungen

Der Kineast wäre auch gerne etwas mehr auf die Kinofolter gespannt worden:

Insgesamt hätte ich mir den Film spannender gewünscht. Eigentlich ist man ja froh, dass es eben kein reißerischer und übertriebener Actionfilm geworden ist, aber wenn man sich an Dustin Hofmann in „Outbreak“ erinnert, vermisst man bei „Contagion“ schon ein bisschen das aufregende Gefühl des Hin-und Herrutschens im Kinosessel.

Cinekie fragt sich ob Spielfilm oder Dokumentation:

“Contagion” wirkt aufgrund seiner ruhigen und distanzierten Art zuweilen eher wie eine Dokumentation im Spielfilmgewand. Für einen Thriller fehlt der Geschichte die nötige Spannung, für ein Drama gehen einem die Figuren nicht nahe genug.

Auf Programmkino.de lobt Günter H. Jekubzik die politische Ebene des Films:

Inzwischen ist Soderberghs „Contagion“ kaum merklich sehr politisch geworden. Überhaupt ist sein Film vielleicht nicht so emotional-dramatisch wie „Outbreak“ aus dem gleichen Genre, dafür viel umfassender, informativer, kurz: intelligenter. Und die Schutzanzüge sehen mittlerweile viel besser aus! Zwar verliert der Regie- und Kamera-Meister ein bis zwei Figuren – wortwörtlich, nicht im Euphemismus für das Sterben – und die WHO kommt etwas zu positiv weg, doch man gewinnt bei aller Spannung auch eine Menge Einsichten. Moralische Entscheidungen bleiben zwar offen, doch der übliche Hollywood-Film, hätte sie unter dicker Marschmusik gar nicht erst aufkommen lassen.

Netzpilot Christian Porsch fordert für diesen Film Kinopflicht und grübelt über Hygiene nach:

Der Konsum des Films ist zum Glück völlig keimfrei, ansteckend ist jedoch das Gefühl nach permanenter Sauberkeit. So überlegt man zwei Mal wie man Türen öffnet und wie abartig es eigentlich ist sich ständig ins Gesicht zu fassen, oder das Fahrgäste in der U-Bahn sich an der Stange festhalten bis ein Platz frei wird um sich anschließend hinzusetzten und mit der „kontaminierten“ Hand im Mund „herumspielen“.