Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

FILMZ „Tore tanzt“: „Was können mir die Menschen schon tun?“

Die Grenzen des Guten. Die Grenzenlosigkeit des Bösen …

FILMZTore glaubt an Jesus. Er hält seine andere Wange hin. Er wehrt sich nicht, er macht Ernst mit dem „Liebe Deine Feinde“. Aber er trifft auf Benno, der ihn in seiner Familie aufnimmt und sich als sadistisches Ungeheuer entpuppt. Tore nimmt jede Qual als Prüfung seines Glaubens und jede stumm ertragene Erniedrigung führt dazu, dass Benno die Schraube von Schmerz und Demütigung weiter dreht. Das führt Tore an die Grenzen des Ertragbaren und darüber hinaus.

Der Zuschauer wird ebenfalls an die Grenze des Ertragbaren geführt. Immer wenn der Zuschauer denkt, es kann jetzt nicht mehr schlimmer werden, wird es noch grausamer. Katrin Gebbe inszeniert diese Parabel von Gut und Böse so unmittelbar, dass der Zuschauer keinen Sicherheitsabstand zu Tores Schmerzen hat. Ich war bestimmt nicht der einzige im Kinosaal, der mehrmals das Gefühl hatte, sich übergeben zu müssen. Dem Festival muss man den Vorwurf machen, dass im Programm nicht ausreichend vor der Intensität des Films gewarnt wurde. Auch wenn explizit kaum direkte Gewalt zu sehen ist, handelt es sich um einen FSK 18-Film, der auch nicht jedem Erwachsenen zugemutet werden kann.

Tore tanzt„Tore tanzt“ ist der schlimmste Film, den ich jemals auf der Leinwand gesehen habe. Und das liegt auch daran, dass er ein sehr, sehr guter Film ist – ganz abgesehen von den beeindruckenden Darstellern, erzählt Katrin Gebbe diese (wahre) Geschichte so gut, wie man sie nur erzählen kann. Der unerträglichste Film des Festivals – und bislang der Beste. Im Podcast sind die Üblichen Verdächtigen noch verstört:

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Quelle: SchönerDenken

Tore tanzt
D 2013, 110 min., Regie: Katrin Gebbe