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RED POST ON ESCHER STREET (Nippon Connection 2021)

Nippon Connection 2021Red Post on Escher Street @ Nippon Connection 2021


Es sind die Zutaten, wie wir sie von Sion Sono kennen: Liebe zum Film, Schicksale, interessante Frauenfiguren, Anarchie und Gewalt. Insofern ist RED POST ON ESCHER STREET keine Überraschung für Sion-Sono-Erfahrene, aber ein kurzweiliger, wilder Ritt durch das Filmemachen.

Wass passiert? Für einen Film findet ein Casting statt, auch für Quereinsteiger:innen und Neulinge. In der Folge prasselt ein Kaleidoskop ganz unterschiedlicher Figuren auf die Zuschauer:innen ein, Witwen, Sugar Daddies, Influencerinnen und altgediente Extras, bis zumindest Thomas der Kopf raucht. Highlight: der Kobayashi-True-Lover-Club! Und kaum beginnen die Dreharbeiten, bricht das Chaos aus – dieser Liebesbrief an Independent-Filme endet nach zweieinhalb Stunden wie er enden muss, wenn der Kameramann auf Shibuya Crossing von (echten) Polizisten umgehauen wird.

Kein schlechter Einstieg für Sion-Sono-Einsteiger und der beste Sono seit WHISPERING STAR. Bei dieser #OpenPodcast-Folge hört Ihr Michael vom vorzüglichen Kompendium des Unbehagens, Andras und Thomas von SchönerDenken.


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste)

Red Post on Escher Street
Japan 2020, 147 Min., Regie: Sion Sono

Trailer

Interview mit Sion Sono


Andere
Meinungen

„Sono macht sich für die zweite bis allerletzte Reihe stark und übergibt Erzählstandards lustvoll dem Tohuwabohu, das viele seiner Geschichten irgendwann erreichen. In jungen Jahren war er Teil der Performance-Art-Gruppe „Tokyo Gagaga“. Filme wie sein „Bad Film“ vermitteln einen Eindruck davon, wie ihre Aktionen in den Straßen der japanischen Hauptstadt gewirkt haben müssen. „Red Post On Escher Street“ besinnt sich auf diese alten Stärken und ist voll von Humor und innerem Feuer. Perfekt unperfekt!“
Lucas Barwenczik für Filmstarts.de


Und das sagt Nippon Connection über RED POST ON ESCHER STREET:

Das Casting für den neuesten Film eines japanischen Meisterregisseurs droht völlig aus dem Ruder zu laufen. Aus dieser scheinbar einfachen Ausgangsidee zaubert Sion SONO, das Enfant terrible des japanischen Films, einen ebenso unterhaltsamen wie kommentierenden Film über das Kino. Den Sehnsüchten und Vorstellungen von Künstler*innen stellt er einen mechanischen Filmapparat entgegen, den nur die Revolution stürzen kann. Dabei führt SONO unzählige Erzählstränge im Finale zu einer beeindruckenden Plansequenz zusammen und beweist einmal mehr, dass niemand kontrolliertes Chaos besser inszenieren kann als er.

Über den Regisseur

Sion SONO wurde 1961 in der Präfektur Aichi geboren. Nachdem er schon während seines Studiums an der Hosei University 8mm-Filme gedreht hatte, gewann er 1987 für A MAN’S FLOWER ROAD den Großen Preis beim PIA Film Festival. 2008 gelang ihm mit LOVE EXPOSURE (NC ’09) der internationale Durchbruch. Seitdem hat er zahlreiche Preise gewonnen. THE WHISPERING STAR (2015 / NC ’16 und NC ’20) wurde beim Toronto International Film Festival 2015 mit dem NETPAC Award ausgezeichnet. Nippon Connection widmete SONO 2011 eine umfassende Retrospektive.