Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

„The Cabin in the Woods“: „Gut gemacht, kleines Zombiehändchen … „

Ein Teil der Geschichte ist genrefilmisch auf den ersten Blick recht kalter Kaffee: fünf junge Leute planen einen Wochenendausflug in eine abgelegene Waldhütte. Bereits auf dem Hinweg gibt es unheimliche Vorzeichen, und in der einsamen Hütte angekommen, finden die Fünf rasch Hinweise auf das eigenartige Leben der Vorbesitzer, stöbern ungewollt das Böse auf, das sich rasch sein erstes Opfer holt. Dann das zweite, das dritte …

Ja, wir kannten die Geschichte. Glaubten wir. Und dann schauten wir „The Cabin in the Woods“ und erfuhren, dass es hinter dieser Geschichte eine ganz andere Geschichte gibt, auf die wir nie und nimmer gekommen wären.

Virtuos und mit gehörigem Spieltrieb werden hier Standardrequisiten des Teenieslashers aufgetürmt und zum Bestandteil einer so völlig anderen Geschichte gemacht, dass man in den ersten Minuten denkt, man säße im falschen Kinosaal: es ergibt sich dann jedoch ein genüsslich blutschwelgerischer Horrorfilm, der paradoxerweise zur Hälfte erstmal gar keiner ist und gerade deswegen besonders gut wirkt, die Sehgewohnheiten in die Senkel stellt und in rascher Abfolge mal erfüllt und mal ad absurdum führt; das Ganze aufgelockert durch eine gute Portion verdauungsfördernden Witz, der in der Summe „The Cabin in the Woods“ als das zeigt, was es ist: ein gekonntes B-Movie von Machern, die ganz genau wissen, wie sie einem Genre eine Frischzellenkur verpassen können.

Text und Podcast stehen unter einer Creative Commons Lizenz. Quelle: Hendrik Schulthe / SchönerDenken

Drew Goddard (Drehbuchautor u.a. von ‚Cloverfield‘, eine von mehreren Zusammenarbeiten mit J.J. Abrams, hier erstmals als Regisseur tätig) und Joss Whedon (Serienerfinder von ‚Firefly‘, ‚Buffy‘, ‚Dollhouse‘, hier Produzent und Mitregisseur) haben wohl keinen werdenden Klassiker abgeliefert, aber einen kurzweiligen, deftigen Spätabendstreifen, der im Kino richtig Spaß machte.

Das Einzige, was man ihnen vorwerfen könnte, wäre der Umstand, dass das Konzept so einige Logiklöcher und auch etwas unterforderte Schauspieler zurücklässt – aber sogar das passte irgendwie, Charakterdarsteller hätten hier nur gestört. Diesbezüglich tröstlich veredelt wird der Film dann aber doch noch durch einen wieder mal sehr schön pointiert angesetzten Kurzauftritt Sigourney Weavers.

The Cabin in the Woods
USA 2012, 95 Min., Regie/Drehbuch: Drew Goddard, Drehbuch/Produktion: Joss Whedon

Andere Meinungen:

Arne Hübner (bummelkino) ist enttäuscht:

„Und so bleibt am Ende nur eine rasant inszenierte, mäßig geschnittene, unsympathisch gewitzte Horror-Achterbahnfahrt auf Meta-Kurs, die viel Lärm macht und als abgedrehter Trash mit einer Unmenge an guten wie saublöden Einfällen im Mittelmaß versinkt.“

Jenny Jecke (multimania) ist begeistert:

„Obwohl THE CABIN IN THE WOODS mit einiger Verspätung im Kino landet, bleibt der Film als Hommage und großer Do-It-Yourself-Baukasten zugleich eine Erinnerung an all das, was Fans am Horrorgenre lieben, ohne sich als simpler Liebesbeweis aus der Affäre zu stehlen. Als Kritik an Torture Porn und allgemeiner Ideenfaulheit geht der Streifen in Angriffsstellung und führt zitierfähige Dialoge, tatsächlich noch überraschende Twists und v.a. eigensinnige Figuren als Geschütze auf, die wir wirklich nur ungern sterben sehen. Irgendwo zwischen TANZ DER TEUFEL,SCREAM und ALL THE BOYS LOVE MANDY LANE schwankend, ist THE CABIN IN THE WOODS der wohl cleverste Horrorfilm des Jahres und – noch wichtiger – einer der Unterhaltsamsten.“

CineKie hat ebenfalls seinen Spaß:

„Humorvolle und gleichzeitig spannende Abrechnung mit dem Horrorgenre, vollgestopft mit Zitaten und teils abstrusen Einfällen. Ein großer Griff in die Horrorsammlung, an dem besonders Fans von Horrorfilmen ihren Spaß haben werden!“

Auch Fabian Olbrich (Manifest) entpuppt sich als Fan:

„Der Spass, den Goddard und Whedon vom ersten Skriptentwurf bis zum Schnitt haben mussten, überträgt sich noch bis in die letzte Kinoreihe. Wir werden Zeuge eines dieser rätselhaften Phänomene, bei denen das Fansein der Macher zufällig den Geschmack der Produzenten und Investoren getroffen haben muss und ein Resultat herausspringt, das wie EVIL DEAD mit Zahnpasta-Lächeln und 30 Mio. Dollar Budget aussieht.“