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„Winter’s Bone“: Die Hände des Vaters oder: Blut ist dicker als Wasser

Statt ins Kino zu gehen, haben sich die Üblichen Verdächtigen zuhause eine DVD angeschaut – diesmal das zurecht preisgekrönte Sozialdrama „Winter’s Bone“. Der Podcast enthält einige Spoiler – also am besten hören, nachdem man den Film gesehen hat:

“Some of our blood at least is the same.“

Die Diskussion nach dem Film fördert einiges zutage: zum Beispiel das archaische System der Familien mit Frauen, die als Mittlerinnen, fast als Priesterinnen auftreten, mit Männern, als zugleich lächerliche und gefährliche Kriegerkaste. Umstritten bleibt, was die Heldin gewinnt, wenn sie sich in diesem Familiensystem durch ihren rite de passage legitimiert. Letztlich geht es um den Kampf ums Überleben in einer sehr harten und weit entfernten Welt, in der vom Staat keine Hilfe zu erwarten ist und in der vor allem auch keine Hilfe erwartet wird. Auch das gehört zum amerikanischen Traum. 9,5 von 10 Punkten.

Text und  Podcast stehen unter einer Creative Commons-Lizenz.
Quelle: SchönerDenken

Winters Bone
USA 2010, 100 Min., Regie: Debra Granik


Andere Meinung

Diesmal können wir Florian Lieb (Symparanekronemoi) nur zustimmen:
„So packend und spannend Winter’s Bone ausfällt, besticht der Film die meiste Zeit jedoch durch das erwachsene Spiel von Jennifer Lawrence. Dass auch das übrige Ensemble mit Hervorhebung von Dickey und Hawkes im Vergleich zu Lawrence kaum aufsteckt, macht den in blassen und kalten Bildern geschossenen Film zu Charakterkino erster Güte. Besonders im Finale gelingt es Granik eine entscheidende Szene gekonnt auf Messers Schneide tanzen zu lassen, sodass man als Zuschauer fast den Atem anhält, ob dem, was als nächstes geschieht. Am Ende ist man dann froh, dass man selbst nicht in jener Meth-geplagten Gemeinde der Ozarks lebt, wo grimmige Menschen am liebsten unter sich sind. Weshalb Winter’s Bone zu einem der eindringlichsten und besten Filme des Jahres avanciert.“


Podcast-Tipp

Die beiden Jungs von „Enough Talk“ widmen sich in gewohnter Ausführlichkeit (87 Minuten) dem Film.