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Wie unpolitisch darf ein Kriegsfilm sein? „American Sniper“

© Warner Bros. 2014



Die Üblichen Verdächtigen (dieses Mal am Mikrofon: Harald, Peter, Tom und Thomas) deutlich ernster als sonst: Nach „American Sniper“ diskutieren sie über Schuld, Moral und Politik: „Wer nachdenkt, darf nicht in den Krieg ziehen“, sagt Peter und Thomas kritisiert: „Es ist, als würdest Du einen Film über Juden Anfang der 40er Jahre drehen und nichts über den Holocaust sagen wollen.“ Für ihn ist der Gedanke schmerzhaft, dass ein Film zur US-Quasi-Geschichstschreibung werden wird, der die politischen Zusammenhänge einfach ignoriert. Diese Gedanken beiseite gelassen, hat Eastwood nichts von seinem Handwerk verlernt – wenn man einmal von der Baby-Puppe absieht …

Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

American Sniper
USA 2014, 132 Min., Regie: Clint Eastwood

Andere Menschen,
andere Meinungen

Micha (derfilmtipp) sammelt in seinem lesenswerten Beitrag die historischen Ungereimtheiten zusammen und erläutert grimmig: „Die bekannteste Lüge: Kyle will Ex-Wrestler und Ex-Gouverneur Jesse Ventura in einer Kneipe k. o. geschlagen haben, als Strafe für negative Statements über die US-Truppen. Für diese Lüge erhielt Ventura vom Gericht 1,9 Millionen Dollar Schadensersatz. Übrigens wusstet ihr, dass ursprünglich Steven Spielberg den Film drehen sollte? Er wollte auch die arabische Seite mehr beleuchten. Das lehnten die Studios ab und nannten als Argument zu hohe Kosten. Spielberg stieg aus.“

Lars (filmfutter) zieht in seiner genauen Anaylse das Fazit: „Letzten Endes überwiegt das Gefühl, eine kleine Recruitment-Show für die ARMY zu sehen. Eine Ladung Patriotismus zu viel und eine Ladung kritische Einsicht zu wenig sorgen für Missstimmung bei manchen Szenen. (…) Will man in „American Sniper“ den nüchternen Blick der Filmkunst auf den Bewusstseinszustand von manchen Soldaten, oder eine rechtfertigende amerikanische Rambo-Show, oder einen Trog voller Reizthemen für anti-amerikanische liberale europäische Phrasendrescher sehen? Mit Sicherheit lohnt die Diskussion über einen sehenswerten Film, welchem die klare Haltung zu seinem Thema fehlt.“

Lucas Barwenczik schaut sich für kino-zeit und kinomensch gleich den ganzen Eastwood an und nennt Beispiele für die Kritik an „American Sniper“: „Seth Rogen verglich ihn mit Stolz der Nation, dem fiktiven Nazipropaganda-Streifen aus Quentin Tarantinos Inglourious Basterds.“ Und er erkennt: „Die Popkultur hat nur noch wenige archetypische Feinde, die man bedenkenlos abschlachten darf: Orks, Zombies, Nazis, aber eben auch “Terroristen”, was in der Regel eigentlich jeden mit brauner Hautfarbe einschließt. Leiden und Schmerz verspüren American Sniper zufolge nur Amerikaner. Nur Amerikaner haben Familien, nur Amerikaner lieben, bringen Opfer und nur Amerikaner werden zu Helden.“