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Die Chronik einer angekündigten Jugend: „Boyhood“


Ein beeindruckendes und mutiges Experiment: Die Kindheit und Jugend eines Jungen zu erzählen und dabei die Dreharbeiten auf 12 Jahre anzusetzen – die Protagonisten altern sozusagen in Echtzeit. Dabei handelt es sich nicht um eine Dokumentation, sondern um einen Coming-of-Age-Spielfilm. Was aber taugt Linklaters Film jenseits seiner spannenden Prämisse? Für Thomas ist das zuviel Konzept und zuwenig Geschichte, Hendrik ist da etwas versöhnlicher …

P.S. Thomas ist sich mittlerweile sicher, dass ihm „Boyhood“ in der synchronisierten, deutschen Fassung deutlich besser gefallen hätte.

Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste)

Boyhood
USA 2014, 163 Min., Regie und Drehbuch: Richard Linklater

Andere Menschen,
andere Meinungen

Zuerst mal ein paar Podcastempfehlungen rund um „Boyhood“: Die Second Unit diskutiert Linklaters Film in der Episode #116. Auf der Cinecouch liegt „Boyhood“ ebenfalls. Auf der Berlinale haben Patrick und Björn von Kontroversum den Film gesehen (ab Minute 39:52).

 

Conrad Mildner (Cinema Forever) ist nicht wirklich überzeugt von „Boyhood“: „Das Älterwerden, so beeindruckend filmisch es auch in „Boyhood“ vorgeführt wird, macht viele Menschen eben doch ein Stück langweiliger und das gilt leider auch für Richard Linklater selbst.“

Beatrice Behn (kino-zeit) lobt den Film zurecht als historisches Dokument: „Was Boyhood durch seine ungewöhnliche Machart schafft, ist ein unglaublich kohärentes und völlig authentisches historisches Bild der letzten zwölf Jahre zu zeichnen. Dieses zerfällt mal in politische und mal in kulturelle Momente: so erklärt der Vater seinen Kindern was so schlimm ist am Irakkrieg und an Bush, um Jahre später mit ihnen beim Wahlkampf für Obama mitzuhelfen.“

Auf Quadzar (filmosophie) hatte der Film eine intensive Wirkung: „Wie gesagt ist dieser Ausdruck aber weniger Botschaft, als dramatisierte Darstellung. Außer dem Handlungsstrang “Älter werden und lernen” gibt es nicht viel, makrodramaturgisch gesehen. Die Episoden sprechen viel mehr für sich und lassen den Gesamtfilm aus ihren eigenen Strukturen herauswachsen. Mich hat das als Zuschauer in die Film-Familie hereingesogen und am Ende ein bißchen unwillig gemacht, das Ausgehen des Projektors zu akzeptieren. Als wäre ich soeben aus einem anderen Leben herausgerissen worden. So ein Gefühl habe ich selten bei einem Film.“