Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

FORGIVEN CHILDREN (Nippon Connection 2020)

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Mobbing – vor allem unter Schüler*innen – ist in Japan ein ernstes Thema. Regisseur Eisuke Naito erzählt dazu eine harte Geschichte: Kira, der selbst als kleines Kind gemobbt und verprügelt worden war, wird zum Täter. Im Alter von 13 Jahren drangsaliert er seine schwächeren Spielkameraden und schießt dann mit einer Armbrust einem Mitschüler, der sich ihm widersetzt, mit einer selbstgebauten Armbrust in den Hals. Das Opfer wird zurückgelassen – da Kira und seine Freunde keine Hilfe holen, verblutet der Junge. Schnell wird Kira dann selbst zum Opfer von Mobbing. Kira macht in zwei Stunden Film keine Entwicklung durch – am Ende hat er nichts dazugelernt.

Naitos Film springt in seinen filmischen Mitteln zwischen Poesie, Ästhetisierung und billiger TV-Optik, wechselt zwischen reißerischem und pädagogischem Erzählen. Wir haben uns den Film auf Nippon Connection Online 2020 angeschaut und direkt nach dem Film diskutieren Kinomensch Lucas (Longtake), Dingsdaninja Johannes (Untersicht), Andras und Gastgeber Thomas, warum die Elemente des Films nicht zusammen passen wollen und was davor schützen könnte, als Schüler*in selbst gemobbt zu werden.


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Forgiven Children
Japan 2020, 131 Min., Regie: Eisuke NAITO


Und das sagt Nippon Connection über FORGIVEN CHILDREN:

Kiras liebster Zeitvertreib besteht darin, seine schwächeren Mitschüler*innen zu tyrannisieren. Aus Spaß wird bitterer Ernst, als er den jungen Itsuki mit einer selbstgebauten Armbrust erschießt. Mangels Beweisen wird der Schüler freigesprochen, doch die mediale Aufmerksamkeit, die seinen Gerichtsprozess begleitet, wird Kiras Familie nicht mehr loslassen. Ausgehend vom Gedanken „Wie würde ich reagieren, wenn mein Kind ein Verbrechen begeht?“, changiert Regisseur Eisuke NAITO hier immer wieder die Perspektive zwischen Jugendlichen und Eltern. Sein mitreißendes Drama über Schuld und Sühne lässt die Grenzen zwischen Täter und Opfer verschwimmen.

Über den Regisseur

Eisuke NAITO, 1982 in der Präfektur Aichi geboren, arbeitete nach seinem Abschluss an der Film School of Tokyo als Lehrer an einer Förderschule und drehte nebenbei erste Independentfilme. Sein Kurzfilm THE PRINCE OF MILK (2008) wurde 2010 bei Nippon Connection und auf zahlreichen weiteren Filmfestivals gezeigt. Sein erster Langfilm, LET’S-MAKE-THE-TEACHER-HAVE-A-MISCARRIAGE CLUB (2011 / NC ’11), wurde nicht nur aufgrund seines Titels kontrovers aufgenommen. Zuletzt arbeitete NAITO an mehreren Manga-Adaptionen, darunter LITCHI HIKARI CLUB (2016) und LIVERLEAF (2018).