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BLACKKKLANSMAN: Der Shit ist echt passiert! Rassisten auslachen mit Spike Lee

John David Washington und Adam Driver in Blackkklansman © UPI 2018


Wenige Tage bevor George Floyd starb, hatten wir uns Spike Lees BLACKKKLANSMAN angeschaut, also bitte nicht wundern, wenn wir auf seinen Tod und die aktuellen Proteste gegen rassistische Gewalt gegen Schwarze nicht eingehen.

Spike Lee verfilmt hier eine wahre Begebenheit: Der schwarze Polizist Ron Stallworth (John David Washington) hatte sich in den 1970er Jahren am Telefon als rassistischer Weißer ausgegeben und sich fernmündlich in den Kukluxklan hineingeredet. Um aber vor Ort tatsächlich die Rolle weiter zu spielen, muss ein weißer Polizeikollege (Adam Driver) die Rolle übernehmen. Die Sinnlosigkeit der Rassenvorurteile wird augenfällig vorgeführt. In dieser Situation, in der zwei Männer gemeinsam eine Identiät übernehmen, hinterfragen die beiden auch ihre eigene Identität als Schwarzer und als Jude. Das ganze Verwirrspiel hat seinen komischen Höhepunkt, als es dem schwarzen Polizisten gelingt, ein Polaroid-Foto Arm in Arm mit dem Klan-Chef zu machen.

Im Podcast direkt nach dem Film ordnet Heidi den Film ein in die amerikanische Realität, in der der Rassismus tief verwurzelt ist und der Faktor ist, der die US-amerikanische Gesellschaft prägt. Wir diskutieren das Spannungsverhältnis zwischen dem sehr ernsten Thema und dem unterhaltsamen und sehr komischen Charakter des Films: Die erste Reaktion von Thomas: „Ich habe mehr Spaß gehabt als ich hätte haben dürfen“, wird von Bettina gleich als White Protestant Point of View einsortiert. Für Bettina ist es die eigentliche Leistung des Films, dass ein Film mit toller Musik, der spannend, lustig und sexy ist, den systemischen Rassismus erklären kann.

Das gelingt Spike Lee, in dem er unterschiedliche Elemente miteinander konfrontiert – zum Beispiel erklärt ein älterer Zeitzeuge und Bürgerrechtler (Harry Belafonte) seinen schwarzen Zuhörern die Hintergründe eines Lynchmordes an einem jungen Schwarzen 1916, während in einem anderen Raum gleichzeitig die Klanangehörigen „Birth of a Nation“ von Griffith als rassistischen Film deuten und bejubeln. Die beiden Szenen schneidet Lee höchst wirkungsvoll gegeneinander. Am Ende entlässt Spike Lee die Zuschauer in die Gegenwart, zeigt die Neonazi-Umzüge in Charlottesville, die Gleichsetzung der Neonazis und der Gegendemonstranten durch Trump und den Mord an einer Demonstrantin. Damit spätestens hebt er erfolgreich den Feelgood-Moment seines Films wieder auf. Direkt nach dem Film per Videokonferenz an den Mikrofonen: Heidi, Bettina und Thomas.

Und noch ein Hinweis in eigener Sache. Nach mehr als tausend Folgen erklingt ab dieser Folge eine neue Jingle-Musik. Komponiert und wunderbar eingespielt wurde sie von Johannes Klan. Großen Dank dafür!


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

BlackKkKansman
USA 2018, 136 Min., Regie: Spike Lee