Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

Einstürzende Neubauten: Das Ende der Zivilisation in „High-Rise“

Tom Hiddlestone in "High-Rise" © DCM

Dr. Laing (Tom Hiddleston) hat die richtige Farbe gefunden / „High-Rise“ ©DCM


Von Michael Schleeh habe ich gelernt, ein Film als Kunstwerk darf einen Zuschauer auch mal über Gebühr strapazieren – das führt den Zuschauer an eine Grenze und erlaubt es, neue Erfahrungen zu machen. Das gilt für „High-Rise“, eine cineastische Strapaze. Mit quälender Zwangsläufigkeit sehen wir eine geschlossene Gesellschaft zerbrechen. Alle Reste von Solidarität – vor allem zwischen Klassen – verschwinden, werden weggewischt von Hass und Gewalt und Chaos. Der richtige Film zum Brexit – ein allegorischer, antikapitalistischer High-Concept-Dystopie-Thriller mit einem beeindruckenden Tom Hiddlestone. Schwere Kost und gewiss nicht für jeden Geschmack – aber für die Üblichen Verdächtigen der richtige Film. Direkt nach dem Kino mit Gesprächsbedarf am Mikrofon: Hendrik, Dominik und Thomas.

Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

High-Rise
GB 2015, 112 Min., Regie: Ben Wheatley
Nach einem Roman von J.G. Ballard


Andere Menschen,
andere Meinungen

Kinomensch Lucas Barwenczik (kino-zeit) legt sich fest: „High-Rise ist ein unbeherrschter Tobsuchtsanfall von einem Film, eine wilde und dekadente Orgie in enthemmten Bildscherben. Er ist gleichzeitig wahnsinnig und gut, vielleicht sogar wahnsinnig gut. Ben Wheatley ist eine der wohl düstersten und konsequentesten Gegenwartsanalysen seit langem geglückt.“

Leonhard Balk (Cinema Forever) vergleicht „High-Rise“ mit Snowpiercer und bewundert in beiden die Liebe zum Detail: „Sowohl in „High-Rise“ als auch in „Snowpiercer“ wird besonders viel Wert auf die genaue Darstellung der einzelnen Abteile/Räume gelegt. Man merkt, wie viel Überlegung hinter dem Set-Design, dem Entwurf einer kleinen Welt, steckt. In „Snowpiercer“ sehen wir von der Sauna-Landschaft, dem Restaurant, bis zur Schule alles, was die neue Zugbourgeoisie zum komfortablen Leben benötigt. In „High-Rise“ darf man sich hingegen an der detaillierten Szenerie der verschiedenen Apartments, eines Supermarktes und eines großen Hochhaus-Gartens erfreuen.“