Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

Warum „Kingsman“ eine asymmetrische Parodie ist

© 2015 Twentieth Century Fox


Auf diesen Film hatte ich mich richtig gefreut: Angekündigt war „Kingsman“ als Bond- und Agentenparodie – mit einer Spitzenbesetzung, allen voran Colin Firth. Nach zwei Stunden Laufzeit hatte die Vorfreude erst Irritation und dann Ärger Platz gemacht. Warum? Statt der Albernheit von „Austin Powers“ oder dem Sarkasmus von „OSS 117“ erwartete mich erst einmal eher ein solides, leicht skurriles britisches Agentenausbildungsabenteuer mit einem geschmacklosen Bösewicht. Und plötzlich mutiert der Film zu einem Splatter-Action-Hammer, springt wieder zurück in das Abenteuerfilmchen, bevor er sich wieder – diesmal quietschbunt – dem Gewaltexzess zuwendet. Und dann gibt es als Sahnehäubchen am Ende noch ein bisschen frauenfeindlichen American-Pie-Humor. Was soll das? Ich fühle mich von der Schizophrenie dieses Films überfordert – das ist kein Genre-Mix, das ist Kino nach dem Jekyll und Hyde-Prinzip. Andererseits wird das ganz viele Zuschauer gar nicht stören, an den Kinokassen wird diese Comic-Verfilmung erfolgreich sein. Die unten zitierten Kritiken zeigen es.

Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Kingsman: The Secret Service
GB USA 2015, 129 Min., Regie: Matthew Vaughn

Andere Menschen,
andere Meinungen

Daumen hoch bei nochnfilm.de: „Achtung! Aufgemerkt! Hier kommt nicht weniger als die Action-Spionage-Komödie des Jahres! Nein ernsthaft – KINGSMAN trifft voll ins Schwarze! (…) Matthew Vaughn setzt den Stoff elegant und stilsicher um und weiß den Zuschauer das eine oder andere Mal hinters Licht zu führen. So sieht gutes Action-Kino aus!“

Björn Becher (filmstarts) ist total aus dem Häuschen: „Vaughn und seine langjährige Schreibpartnerin Jane Goldman nahmen das Grundgerüst von Millars Comic, erfanden die meisten Figuren neu, gingen bei den Filmreferenzen noch weiter, ergänzten sie um zusätzliche Zitate und Anspielungen (vom Literaturklassiker bis zum aktuellen Zeitgeschehen wird alles verbraten), würzten dies kräftig mit Selbstironie und liefern nun DEN Meta-Spionage-Film der Neuzeit ab.“

Nur Robert Baron (filmjunkies) ahnt, wo uns der Schuh drückt: „Bei allem Lob muss man an dieser Stelle aber kritisieren, dass die Action zeitweise etwas zu sehr over the top ist und einzelne Szenen an Dynamik einbüßen, weil sie einfach zu sehr in die Länge gezogen werden. Gerade gegen Ende werden die schnell geschnittenen Actionszenen immer absurder, worauf sich vielleicht nicht jeder Zuschauer einlassen können wird.“