PAST LIVES: Wer bin ich?

Greta Lee und Teo Yoo © 2023 Mubi

Greta Lee und Teo Yoo © 2023 Studiocanal/Mubi

Folge 1367 – Eine Frau muss sich zwischen zwei Männern entscheiden. Das ist viel zu oft der Kern eher anspruchsloser Liebesfilme. Davon ist Celine Songs PAST LIVES erfreulicherweise sehr weit entfernt. Die US-Koreanerin Nora – oder Na-young – (Greta Lee) entscheidet sich im Grunde nicht zwischen zwei Männern, sondern zwischen zwei Identitäten: Ihrer ursprünglichen Identität als Koreanerin und ihrer gewählten Identität als US-Amerikanerin. Fein beobachtet, großartig erzählt, wunderbar gespielt von Greta Lee, Teo Yoo und John Magaro. Ein Debutfilm mit starken Dialogen und starken Bildern. Am Mikrofon mit dem ersten Eindruck: Johanna und Thomas.

PAST LIVES ist zurzeit auf MUBI zu sehen.


Folge 1367
Die Üblichen Verdächtigen mit ihrem ersten Eindruck von PAST LIVES
Länge: 30:09


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken
Musik: Johannes Klan
Bild: © Studiocanal/Mubi


Past Lives (Past Lives – In einem anderen Leben)
USA 2023, 106 Min., Buch und Regie: Celine Song


Andere Meinungen

„Die Dramatikerin Song greift in ihrer Geschichte auf eigene Erfahrungen zurück – auch sie wurde in Südkorea geboren und emigrierte mit zwölf Jahren nach Kanada. Mit diesen autobiografischen Zügen verdichtet sie die fiktive Geschichte zu einem faszinierend ehrlichen Charakterdrama mit einer verdammt starken Frauenfigur im Zentrum. Und Greta Lee („Money Monster“) ist schlicht umwerfend als Nora, hin- und hergerissen zwischen den Welten und Kulturen, ihren zwei Seelen und zwei geliebten Männern. (…) Fazit: Celine Songs Charakterdrama „Past Lives” ist nicht mehr und nicht weniger als die herzzerreißendste, ehrlichste und berührendste Romanze seit langem – und ein so vielschichtiges und reifes Regiedebüt, wie man es sich nicht besser vorstellen kann. Ein virtuos erzählter, meisterhafter Film, der nachwirkt und niemanden kalt lässt.“
Carsten Baumgardt für kino-total.net

„Celine Songs autobiographisch geprägtes Liebesdrama Past Lives zählt ohne Zweifel zu den Kino-Highlights des Jahres 2023. Was sich auf dem Papier als Stoff für eine typische RomCom liest, ist frei von Klischees und so behutsam inszeniert, dass während des Schauens das eigene (Liebes-)Leben im Kopf Revue passiert. So trifft Past Lives nicht nur ins Herz, sondern regt auch den eigenen Kopf an. Eine großartige Verbindung!“
Simon Eultgen für Filmtoast

„Mit ihrem Kameramann Shabier Kirchner findet Song wunderbare Motive, die den Charakter der Hauptfiguren unterstreichen. Sie hat ein Gespür für Momente des Innehaltens – wenn es keine Worte gibt, die angemessen erscheinen. Sie gibt Details Raum, und sie macht klar, wie angenehm es ist, wenn die vorhergesagten starken Unwetter mal kurz ruhen, um eine Fahrt mit der Fähre zu unternehmen oder um sich auf der nächtlichen Straße im East Village in die Augen zu sehen. Das Ende ist, je nachdem, eines der schönsten Unhappy Ends oder eines der traurigsten Happy Ends der Kinohistorie.“
Andreas Köhnemann für kino-zeit

„Zum einen folgt er (Kameramann Shabier Kirchner) den Betei­ligten so nah und intim, dass wir glauben, Teil dieses Freund­schafts- und Liebes­rei­gens zu sein, dass es nur einen Schritt braucht, um selbst Teil am Geschehen zu nehmen. Doch nur einen Moment, eine Szene später entfernt sich Kirchner mit seiner Kamera, schafft eine Distanz, die es erst ermög­licht, die psycho-philo­so­phi­sche Kompo­nente von Past Lives anzu­nehmen, sind dann auch die Natur-Shots Einstel­lungen aus der Distanz, die aber gleich­zeitig Angebot sind, auf das Unbe­kannte, die Schönheit, die in allem Unbe­kannten liegt – und beileibe nicht nur unheim­lich ist – zuzu­treten und einzu­treten.“
Axel Timo Purr für artechock.de


English Version

A woman must choose between two men. All too often, this is the premise of rather undemanding romantic films. Fortunately, Celine Song’s PAST LIVES is a far cry from that. Nora—or Na-young—(Greta Lee), a Korean-American, is not really choosing between two men, but between two identities: her original identity as a Korean and her chosen identity as an American. Finely observed, superbly told, and wonderfully performed by Greta Lee, Teo Yoo, and John Magaro. A debut film with powerful dialogue and powerful images. At the microphone with their first impressions: Johanna and Thomas.