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Ein Meilenstein des Werbefilms: „Transformers – Ära des Untergangs“

© 2014 Paramount Pictures. All Rights Reserved. HASBRO, TRANSFORMERS, and all related characters are trademarks of Hasbro. © 2014 Hasbro. All Rights Reserved. Es ist gar nicht das Fehlen einer echten Geschichte, die „Transformers – Ära des Untergang“ so absolut unverdaulich macht. Es sind die Figurenhülsen, die in Dialogsimulationen als menschliche Protagonisten herhalten sollen. Und natürlich die außerirdischen Maschinen – egal ob Autobots oder Deceptiblech: Wenn ich etwas hassen gelernt habe, dann den einfach nicht mehr auszuhaltenden Glückskekspathos von Optimus Prime und die frühpubertären Pöbeleien der restlichen „hochintelligenten“ Maschinen. Ich würde ja sagen, dass dieser Film zum so genannten posthumanen Kino gehört. Wenn es sich um einen Kinofilm handeln würde – was ich bezweifle.

Im Grunde handelt es sich um eine knapp dreistündige Werbung – in erster Linie für Chevrolet, Beats-Lautsprecher, Victorias-Secrets-Unterwäsche, Redbull und Budweiser. Es wird gerade noch soviel Budenzauber dazwischengeschoben, dass es nicht sofort auffällt. Das ist das Konzept der TV-Soaps: Anspruchslose Handlung zwischen den Seifen- und Waschmittelwerbespots. Und dann verlegen wir die Hälfte der Handlung nach China, das eher positiv gezeigt wird. Damit sahnt Michael Bay auch auf dem asiatischen Markt noch besser ab (nach zwölf Tagen mit einem Einspielergebnis von 225 Millionen Dollar der erfolgreichste Kinofilm aller Zeiten in China).

Nicht falsch verstehen: Kino ist auch ein Geschäft und ich gönne jedem die hart erarbeiteten Einnahmen. Aber wenn man als Zuschauer nicht länger als 10 Sekunden vergessen kann, dass man gerade von einer monströsen Geldverdienmaschine verarscht wird, dann geht die Rechnung – zumindest für den Zuschauer – nicht mehr auf.

Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Transformers: Ära des Untergangs (Transformers: Age of Extinction)
USA 2014, 165 Min,, Regie: Michael Bay

Andere Menschen, andere Meinungen

Über diesen Transformer wird viel diskutiert: Floris Asche erklärt in einem sehr klugen Gastbeitrag bei realvirtuality wie Action-Blockbuster sein sollten: „Explosionen sind in einem Film nur gerechtfertigt, wenn jemand davor wegläuft. Wir müssen wollen, dass er überlebt.“ Und im Vergleich zwischen Michael Bay und Paul W.S. Anderson kommt er auf die Theorie, dass Michael Bay mit komplexen Frauen überfordert ist: „Lieber den Arsch filmen, als sie was sagen lassen. Und das ist dann dieser eine “Moment”. Für wen wohl?“ Der Beitrag ist übrigens eine Antwort auf Sebastian Mattukat, der immer noch auf Michael Bay steht.

Aber selbst Christian Hoja (Cellurizon), der diesen Transformers für den besten Film der Reihe hält, erkennt: „Um es nochmal klar zu sagen: „Age of Extionction“ ist kein guter FILM. Es ist innerhalb dessen, was Kruger (und beim ersten Teil Roberto Orci + Alex Kurtzman) und Bay an Schund, Schlampigkeit, Werbeästhetik und Actionoverkill hingereiert haben, das bislang beste Ergebnis dessen, was da im erträglichsten Falle bei raus kommen kann.“ Harte Worte. Timo K. (blockbuster entertainment) spricht zurecht von „Materialmatsch“.

Warum nicht einfach „das Gehirn ausschalten und den Ritt genießen“? Darauf hat Nordling (aintitcool) eine Antwort: „Well, I rather enjoy my brain; it’s done me pretty good so far, and has provided hours of enjoyment and imagination, so forgive me if I don’t want to turn into a drooling idiot, eyes glazed over with sensory overload, just yet.“ Das dämliche Argument, da müsse man halt das Hirn ausschalten, heißt ja auch nichts anderes als cleveres Blockbusterkino von „Jaws“ bis „Iron Man“ einfach zu vergessen, oder?

Sven Kietzke (cinekie.de) findet, dass wir uns als Publikum die Frage gefallen lassen müssen, „ob Filme wie “Transformers: Ära des Untergangs” wirklich das sind, womit wir unsere Freizeit füllen möchten.“ Und er setzt im Fazit noch einen drauf: „Als Science-Fiction-Actionfilm getarnte, monotone Technikdemo ohne Sinn und Verstand, die nicht mal geringste Ansprüche an einen Film (im Sinne eines schlüssigen Gesamtwerkes) zufriedenstellen kann. Optimus Prime bewahre uns vor dem fünften Teil!“

Schließen wir mit Beeblebrox (Filmfeuilleton): „Was bleibt, ist Lärm und Terror, fußend auf der Wurzel des Kapitalismus einer globalisierten Filmindustrie, die sich in ihrer Ausformulierung von Bewegtbildern in der Willkür und Redundanz des kleinsten gemeinsamen Nenners verloren hat.“