Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

„The Wolf of Wall Street“: Nicht kaufen!

Alex Matzkeit fühlte sich nach der Pressevorführung von „The Wolf of Wall Street“ schmutzig. Die Üblichen Verdächtigen sehen es genauso: Es ist die ständige, distanzlose, verherrlichende Darstellung von Geldgier, Drogenmissbrauch und Frauenverachtung, die uns anwidert. Und hey, komme uns keiner mit „Ironie“ oder „Satire“. (Sophie Charlotte Rieger hat das hier sehr gut erklärt.) Eigentlich macht Scorsese das Gleiche wie Jordan Belfort: Er versucht uns wortreich einen Schrottfilm als große Kunst zu verkaufen.

Als Leonardo DiCaprio im Film einmal so viele Tabletten einwirft, dass er nur noch auf allen Vieren zu seinem Lamborghini kriechen kann, dachten wir: So schleppen auch wir uns durch 180 Minuten belanglose, filmgewordene Langeweile. Und wir beneiden unseren Freund Tom, der sich bereits in der Pause verabschiedet hatte. Im Podcast kotzen sich die Üblichen Verdächtigen aus und stellen Vergleiche an mit „Wall Street“ und „American Gangster“:


 

Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Download rechte Maustaste)

The Wolf of Wall Street
USA 2013, 179 Min., Regie: Martin Scorsese


Andere Menschen,
andere Meinungen

Lukas Foerster und Ekkehard Knörer streiten in Cargo, ob der Film gelungen ist. Timo (blockbuster entertainment) findet einiges, was ihm gefällt, und er beobachtet genau: „Ein weitgehend extremer, vulgärer Spaß ist dieses Epos der Geschmacklosigkeit ohne moralisches Anstupsen, wenn seine Bestien, Schleimbeutel und Vollpfosten unter der Ausrede einer Gaudi wüten, sich wälzen und zusammenstoßen; in Abenteuern ungeahnter Idiotie vor der stets majestätisch wabernden, amerikanischen Nationalflagge entstehen Collagen der Oberflächlichkeit, die Scorsese zu unbegrenzten Möglichkeiten eines  verrückten Materialismus verknüpft. Aber sein Timing ist nicht mehr First Class, sondern Economy – manches gerät zu lang, anderes zu kurz.“

Auch im Kontroversum-Podcast wird diskutiert, ob die harsche Kritik am Film gerechtfertigt ist. Ganz kurz dazu (vor allem Richtung Patrick): Uns hat nicht gestört, DASS unzählige nackte Frauen zu sehen sind, sondern WIE sie gezeigt werden. Beispiel: Als der Schweizer Bankier als Ehebrecher entlarvt wird, zeigt Scorsese schon wieder eine Frau mit Traumkörper voll frontal ganz nackt. Explizite Darstellungen (ob von Nacktheit oder von Gewalt) müssen durch den Zusammenhang gerechtfertigt sein. Und genau da liegt unser Dissens: Du findest die Art der Darstellung richtig für diese Art Film – wir nicht.