Zwischen Kirk und Kafka

Nur Zähne zeigen reicht nicht für den Oscar: „The Revenant“

The Revenant © Twentieth Century Fox


Für „The Revenant“ haben wir unseren Western-Experten Götz mit ins Kino genommen – von ihm stammen auch die klaren Worte in Sachen „Oscar für Leo“ :-) Und Recht hat er. Im Podcast reden wir über Tarkovsky, das Verhältnis von Exposition, Mittelteil und Showdown, über oscarpreisverdächtige Landschaften, Atombomben und über eine entfesselte Kamera, die von Überlebendem zu Überlebendem springt. Am Mikrofon waren: Tom, Hendrik, Götz und Thomas


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

The Revenant (The Revenant – Der Rückkehrer)
USA 2015, 156 Min., Regie: Alejandro G. Iñárritu

Andere Menschen,
andere Meinungen

Problematisch ist, dass die Höhepunkte den Anfang des Filmes bilden – bei 150 Minuten keine gute Idee, findet auch Niklas Nissen (City of Cinema): „Das erste Drittel ist noch an Intensität kaum zu überbieten, danach wiederholt sich das Geschehen. Irgendwann hat sich der Zuschauer an DiCaprios Stolpern durch die Wildnis schlicht satt gesehen.“ Inarritu zieht uns hinein in eine Heldenreise, die ihre Kraft aus dem beeindruckenden Überlebenskampf zieht. Karsten Munt (Critic.de) sieht darin die Schwäche des Films: „Doch wenn die direkte Bedrohung des Lebens einmal ausbleibt, gibt es keine Reflexion über die Rache und den Tod, keinen Wahn, kein Abdriften in den Albtraum, kein Herz der Finsternis, nichts, was einen Kontrast zur unablässigen, von Vergeltung getriebenen Widerstandskraft von Glass’ Körper stellen könnte.“

Micha (Der Filmtipp) ging es ähnlich wie Tom – der Film hat ihn nicht berührt und die spirituellen Momente gingen völlig an ihm vorbei: „Sorry, aber ich muss schmunzeln, wenn plötzlich ein Baum umarmt wird oder eine Indianerin über einem Feld schwebt.“ Timo (Blockbuster Entertainment) hat immerhin „einige zärtliche, poetische Wunder“ gesehen und Robin Schröder (Mise en Cinema) bezeichnet den Film sogar als „kraftvolle, urgewaltige, ehrfurchtgebietende Kinomagie“. Zumindest für das erste Drittel wollen wir ihm da zustimmen. Und Franziska (Filmkompass) besteht darauf, dass Leonardo DiCaprio den Oscar bekommen MUSS. Der Medien-Nomade Patrick Torma sieht das (als Gastautor im Entertainment Blog) nicht so, ihm ist ein Anderer aufgefallen: „Insbesondere Tom Hardy liefert als skrupelloser Mörder, dessen Beweggründe ansatzweise nachzuvollziehen sind, ein starke Performance ab.“ Also eher ein Nebenrollen-Oscar? Sehen wir auch so. Sicher ist der Oscar für die beste Kamera, oder? Pascal (Cinema Forever) ist ein Lubezki-Fan: „Seine Kamera wird zum Taktstock, zum narrativen Instrument, zum Wegweiser in die Ewigkeit.“

Duoscope

Auf die lieben Kollegen von Duoscope ein besonderer Hinweis: Nachdem Bianca sich mit sehr spannenden Menschheitsfragen rund um den Film auseinandersetzt, nimmt uns Marco mit in die Zeit der Fallensteller. Wie immer bietet Duoscope eine faszinierende Mischung aus Filmanalyse und umfangreichen Hintergrundinformationen. Sehr lesbar. Sehr lesenswert. Gehört in jeden Feedreader.

Podcasts

Longtake: Lässt die Kollegen der Film kalt?

Tipp: Kameramann Lubezki hat fantastische Fotos von den Dreharbeiten veröffentlicht.


Statt des Trailers die stimmungsvolle Dokumentation der Dreharbeiten: „A World Unseen“.


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