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Was macht Familie aus? „Unsere kleine Schwester“ (Umimachi Diary)

Unsere kleine Schwester / Umimachi Diary @ 2016 Muschalik Digitale Medien


Wie in einem Mädchenwohnheim leben drei Schwestern in ihrem Elternhaus – aber ohne ihre Eltern. Nach dem Tod des abwesenden Vaters nehmen sie ihre kleine Halbschwester auf. Der Film erzählt in einer traumhaft sicheren Beiläufigkeit von Hoffnung, Tod und Krankheit, vom Erwachsenwerden und von der Bedingungslosigkeit der Liebe zwischen Geschwistern. Katharina und Thomas sind sehr begeistert und sprechen im Podcast über Charisma, Tschechow, gemeinsames Essen und die deutsche Freitagabend-TV-Unterhaltung.

Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Unsere kleine Schwester (Umimachi Diary)
Japan 2015, 127 Min., Regie/Drehbuch: Hirokazu KOREEDA


Andere Menschen,
andere Meinungen

Fangen wir bei unserem Überblick gleich beim Japan-Kino-Experten Michael Schleeh (Schneeland) an. Er verortet für uns den Film in der japanischen Kinogeschichte: „Ganz am Anfang dieses wundervollen Filmes gibt es eine Szene, die Referenz an den japanischen Großmeister des Familiendramas erweist: an Yasujiro Ozu. Die erwachsenen Frauen, die hier im Film beinahe ganz ohne Eltern sind und wie in einem „Mädcheninternat“ zusammen leben, sitzen um einen großen Tisch herum beim Essen. Die Kamera befindet dich draußen vor der Veranda und senkt sich auf die Höhe des Tisches herab. Dort verharrt sie, wie in einer klassischen tiefen Einstellung bei Ozu, für die er so berühmt geworden ist.“

Joachim Kurz (kino-zeit.de) entdeckt in „Unsere kleine Schwester“ einen „ruhigen, fast zen-buddhistisch anmutenden Erzählfluss, dessen Optimismus durchaus stellenweise zu verzaubern versteht. (…) Vor allem aber findet man in diesem stillen und leisen Werk Frauenfiguren von einer Ruhe und Kraft, wie man ihnen im Kino derzeit nur selten begegnen darf.“ Schlopsi (Infernal Cinematic Affairs) mag diesen Film und mag ihn irgendwie auch nicht: „Am Ende ist es jedoch nur das gefühlte Abziehbild einer Scheidungsfamilie, die mit der seltsam anmutenden Entscheidung, eine fremde Schwester bei sich aufzunehmen, was hier die Berechtigung für einen über zwei Stunden andauernden Film darstellt.“

Frank Schmidke (cinetastic.de) empfiehlt den Film und entdeckt unter der Oberfläche dieses „Frauenfilms“: „Der Tod, der Verlust ist allgegenwärtig, aber selten zu sehen. Zudem aber werden beinahe schleichend auch gesellschaftliche Veränderungen sichtbar: durch Kleinigkeiten, Details, die teilweise sehr poetisch zeigen, wie in Japan Tradition und Moderne in Konflikt sind, Werte und Wünsche sich verschieben.“ Zum Abschluss unseres Überblicks zitieren wir Günter H. Jekubzik (FILMtab): „Woran werde ich mich am Ende noch erinnern“, fragt der Film über Abschiede und Neuanfänge. Erinnerung an Schönheit, selbst noch in der Trauer, lautet eine Antwort.“