THE WHALE: Der schwere Kampf um Erlösung

Brendan Fraser in Darren Aronofsky THE WHALE @ 2022 Courtesy of A24

Brendan Fraser in Darren Aronofskys THE WHALE @ 2022 Courtesy of A24

THE WHALE ist mit Festival- und Oscar-Lorbeeren gestartet, allerdings nicht ohne Kritik von verschiedenen Seiten. Nach dem Film sind sowohl die Lobeshymnen für Brendan Fraser als auch die kritischen Stimmen nachvollziehbar. Aronofsky verfilmt hier ein Theaterstück – alles spielt in einem Apartment, dazu noch ein beengendes 4:3-Format. Wir begleiten einen in viele Szenen liebenswürdigen Mann, Charlie (Brendan Fraser), der sich buchstäblich zu Tode frisst. Vor seinem Tod will er sich mit seiner 17-jährigen Tochter (Sadie Sink) aussöhnen, die er seit 8 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Er hat sich aufgegeben, nur die Vergebung seiner Tochter strebt er als Erlösung an. Obwohl die Hauptdarsteller großartig sind und die Inszenierung gelungen, bleiben wir ratlos zurück. Was will uns der Film, bzw. das dem Film zugrundeliegende Theaterstück sagen? Mit dem religiösen Thema des Films (Charlies Geliebter war Mitglied einer christlichen Sekte, bevor er Selbstmord beging) können wir nichts anfangen. Besonders im zweiten Teil wird die Handlung melodramatisch statt berührend. Sehenswertes Schauspielkino aber kein cineastisches Meisterwerk. Am Mikrofon direkt nach dem Film vor dem Capitol-Kino: Johanna und Thomas.


Folge 1207
Unser erster Eindruck von THE WHALE
Länge: 11:29


WICHTIG: Wir haben THE WHALE im Programmkino Capitol&Palatin in Mainz gesehen. Dem Programmkino Capitol&Palatin wird nach einem Gebäudekauf durch ein großes Immobilienunternehmen am 28. Oktober 2023 schließen. Mehr Informationen gibt es hier und hier. Eine Petition zum Erhalt dieses wichtigen Kinos gibt es hier. Bitte unterstützen! Wir haben in Capitol&Palatin sehr viele großartige Filme gesehen, sehr viele SchönerDenken-Episoden zu anspruchsvolleren Filmen sind vor diesem Programmkino aufgezeichnet worden. Dieses Kino ist die Grundlage der Kinokultur in Mainz: Das Programm ist hervorragend kuratiert – besondere Filme aus vielen unterschiedlichen Genres und Nationen, immer wieder auch in Originalsprache, dazu viele Veranstaltungen. Wir appellieren an die Verantwortlichen der Stadt Mainz, dieses Kino zu retten!


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken
Bild: © 2022 Courtesy of A24
Musik: Johannes Klan


The Whale
USA 2022, 117 Min., Buch und Regie: Darren Aronofsky


Andere Meinungen

„Umso mehr freue ich mich nun darüber, dass The Whale die bisher größte Überraschung des Festivals  ist und nicht nur mich emotional überwältigt zurückgelassen hat. Wie damals Black Swan, erwischte das minimalistische, theaterhafte Drama mich und alle um mich herum mit einer Flut von Gefühlen, die ich seit gestern Abend nur schwer in Worte zu fassen vermag. Die Atmosphäre im Kino war in höchstem Maße beeindruckend, und das auch noch lange nachdem der Abspann einsetzte. Der unbestreitbare Star des Abends bekam zur Einblendung seines Namens sogar noch eine Runde Sonderapplaus.“
Philippe Paturel für Cinema Forever

„Dank der schön konfrontativ spielenden Sadie Sink (bekannt aus Stranger Things) gehören Ellies Begegnungen mit Charlie zu den besten und manchmal sogar bewegenden Momenten des Films. Doch insgesamt graben sich die Dialogszenen, in denen jede Figur mal mit jeder kollidiert, in ihrer Wirkung eher gegenseitig ab, trotz vieler gewichtiger Sätze entsteht selten ein Moment von Gewicht. Auch wenn man dem Stoff dem Willen zur Bedeutsamkeit in jedem Augenblick anmerkt, gleicht The Whale manchmal eher einer Soap Opera, die den befreienden Sprung in die Sitcom verpasst.“
Maurice Lahde für critic.de

„Als Charlies zornige Tochter Ellie auftaucht, erwacht »THE WHALE« endgültig zu filmischem Leben. Sadie Sink trägt die Energie der Angriffslust in den Erzählfluss hinein. Ihre Schroffheit ist einnehmend. Sie fordert väterliche Liebe und stößt sie brüsk zurück. Was wäre, wenn sie der Wal ist? Der Essay, den sie in der Schule über »Moby Dick« schrieb, steckt voll trotziger Erkenntnis. Er ist der Strohhalm, an dem Charlie ihre Beziehung festhalten will.“
Gerhard Midding für epd film

„Allein das viel gelobte Spiel des ehemaligen Blockbuster-Stars Brenden Fraser ist tatsächlich brillant. Fraser bringt es zustande, die dramatische Situation des Helden eben nicht zusätzlich zu dramatisieren, sondern durch den digitalen Fatsuit hindurch eine Zartheit zu vermitteln, die den Dialogen größtenteils abgeht. Auch die Performances von Hong Chau und Sadie Sink holen aus dem Skript, was daraus zu holen ist. Für einen guten Film reicht das freilich nicht“
Simon Stockinger für kino-zeit.de

„„The Whale“ ist ein meisterhaft komponiertes Stück Gefühlskino und der wohl ergreifendste, zärtlichste und nahbarste Film, den Darren Aronofsky seit mindestens „The Wrestler“ gedreht hat. Ein tiefberührender Appell an die Menschlichkeit. Eine zermürbende Auseinandersetzung mit Glaube und Religion. Ein außergewöhnliches Comeback für ein außergewöhnliches Talent.“
Christian Pogatetz für uncut.at


Trailer