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Bilderrausch zwischen Emanzipation und Exploitation: „Belladonna of Sadness“ (kanashimi no beradonna)

Belladonna of Sadness © 2016 Cinelicious / Rapid Eye Movies


43 Jahre nach der Premiere bringen uns Cinelicious und Rapid Eye Movies wieder „Belladonna of Sadness“ zurück. Ein Meilenstein der Anime-Filmgeschichte von Eiichi Yamamoto und ein schwer zu ertragendes Meisterwerk der Ästhetisierung von Gewalt, Lust, Sex, Tod, Zauberei, Pest und Sadismus.

Hendrik und Thomas atmen nach „Belladonna of Sadness“ erst einmal tief durch und versuchen sich dann den Film wieder von der Seele zu reden. Im Podcast geht es unter anderem um Märchen, Genderfragen, Vergewaltigung als Kriegsverbrechen und die Theorie der sozialen Energie von Stephen Greenblatt.


Die Bluray zur restaurierten 4K-Fassung erscheint am 25. November 2016.

Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Belladonna of Sadness / Die Tragödie der Belladonna (Kanashimi no beradonna)
Japan 1973/2016, 89 Min., Regie: Eiichi Yamamoto


Andere Menschen,
andere Meinungen

Feminismus oder Voyeurismus? Rausch oder Rebellion? Spannende Diskussion im Podcast bei Longtake (mit Johannes @joukoda, Lucas B. @Kinomensch und Lukas M. @cinedrifter).

Geile Männerfantasie, konstatiert Michael Kienzl (critic.de) „Zwar handelt Belladonna tatsächlich von einer Frau, die sich gegen die Obrigkeit auflehnt, sie bleibt dabei aber auch eine leicht schmierige Männerfantasie, die vor allem als Opfer zahlreicher Folterungen und Vergewaltigungen in Erscheinung tritt. Für Yamamoto widersprechen sich diese beiden Funktionen jedoch schon deshalb nicht, weil sein Film trotz historischer Anleihen vor allem der Logik eines fiebrig geilen Traums folgt.“

Nur Sexualneid und Plagiate sieht Lida Bach (filmverliebt.de): „Jeanne wird als Besitztum männlicher Figuren definiert, sei es ihr Gemahl oder Satan (Tatsuya Nakadai). Den Turnus aus sexueller Erniedrigung, Lust, Macht und erneuter Erniedrigung zu analysieren, ist der Mühe nicht wert. Der auf Jules Michelets Traktat über „Satanismus und Hexerei“ von 1862 basierende Plot ahmt in seinen vermeintlich gewagten Bildchen den Stil bekannter Künstler wie Schiele und Klimt nach. Der Page der grausamen Fürstin (Shigako Shimegi) kommt von Aubrey Beardsley. Knallige Cartoons evozieren Yellow Submarine und zuletzt führt gar Delacroixs Freiheit das Volk. Das Resultat ist ein Softporno in Pastelltönen, begleitet von japanischen Popsongs.“

Nicht vergessen sollten die Kritiker, dass der Film auch vor dem Hintergrund der japanischen Kultur und der pinku eiga-Softpornofilme gesehen werden muss. Lesenswert der Beitrag von Katrin Doerksen (kino-zeit.de): „In diese Sphäre tritt die schöne Belladonna mit den pastellfarbenen Haaren ein wie ein ungestümes Aufbäumen: ein Aufbäumen der weiblichen und volksnahen Macht gegenüber patriarchaler, absolutistischer Strukturen. Ein Aufbäumen des Anime als Avantgarde in ihrem reinsten Wortsinn, die Möglichkeiten der Kunst auslotet und kämpferisch ihr Publikum herausfordert. Das letzte Aufbäumen einer im Sterben begriffenen Produktionsfirma, deren Protagonisten beschließen, wenn, dann nur mit einem großen Knall abzutreten.“

Die Form beeindruckt fast alle Zuschauer: „Der Anime ist mit einer Aquarelltechnik entstanden, besitzt ungemein viele Standbilder, was in erster Linie der finanziellen Not des damaligen Studios zuzuschreiben ist. Das macht den Film selbst aber kaum schlechter, denn durch den psychedelischen Ansatz und die in den Bildern versteckten Provokation entfalten gerade diese Standbilder ihre ganze Macht“, schreibt Ronny Dombrowski (cinetastic.de).

Und zuletzt: Dietmar Daths Analyse.