Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

Viel Godzilla um nichts

Die japanische Monsterfilmlegende hat schon einmal den Weg nach Hollywood gefunden – unter Roland Emmerich. So richtig begeistert war damals niemand. Jetzt hat Gareth Edwards, der für seinen Debütfilm „Monsters“ viel gelobt wurde, sich die Riesenechse vorgenommen. Die Erwartungen waren geekseitig und nerdseitig sehr hoch, der Trailer sah ausgesprochen vielversprechend aus. Aber der Film fällt ohne Humor, ohne eine sichtbare Geschichte und mit Protagonisten, die zu Hülsen verkommen, weit hinter Emmerichs Version zurück. Optisch ein Brüller – aber das wars dann schon. Vielleicht war es auch einfach naiv, mehr zu erwarten.

Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Godzilla
USA 2014, 123 Min., Regie: Gareth Edwards

Andere Blogger, andere Meinungen

Patrick (Kontroversum, Celluloid Cerebro, AGM) ist begeistert und lobt die Perspektive:

„Gareth Edwards setzt andere Prioritäten als viele Blockbuster-Regisseure in Hollywood. Er erzählt seine Geschichte aus einer menschlichen Sichtweise. Sehen die Hauptfiguren im Film das Monster nicht, so sehen wir dieses auch nicht. Bedeutet auch, dass man durchaus lange auf die ersten Monster Szenen warten muss.“

Apropos warten: Forrest Wickman klärt uns in seinem Beitrag „When Should You Show the Monster? The Rules of “Cinematic Foreplay.”“ auf, wie lange wir auf welches Monster warten mussten :-)
Christoph (filmofen.de) mag diese Godzilla-Version, erkennt aber auch die Schwächen:

„Ein Problem bei seiner Herangehensweise ist allerdings, dass es schon eine interessantere Story und vor allem vielschichtigere Charaktere gebraucht hätte, damit das Konzept wirklich funktioniert.“

Alex (realvirtuality) geht mit dem neuen Godzilla härter ins Gericht und vergleicht ihn mit „Pacific Rim“ und da schneidet er schlecht ab – auch Alex regt sich über die Figuren auf:

„Oder interessiert ernsthaft jemand Aaron Taylor-Johnsons jammerig-besserwisserischer Waffenexperte, dessen blaue Augen von der Muskelmasse, die er sich für den Film antrainiert hat, beinahe erdrückt werden? Oder Ken Watanabes bereits erwähnter vollkommen generischer Uiuiui-Wissenschaftler? Von den Frauenrollen will ich lieber gar nicht anfangen.“

Tim (badimbilderstrom.de) beschäftigt sich in seinem Beitrag „Der zärtliche Koloss“ mit dem Diskurs, den der Film unter den Bloggern ausgelöst hat und verteidigt den Film gegen Vorwürfe – sehr lesenswert:

„Wer überzeugt ist, den Bedeutungsüberschuss im audiovisuellen Dispositiv des Kinos immer vollständig erfassen und sortieren zu können, der werfe den ersten Stein. Wer noch nie auf die erwähnte Scheintrennung zurückgegriffen hat, um sich die Urteilsfindung zu erleichtern, den zweiten. Aber „Godzilla“ hat eben doch eine ganze Menge zu erzählen. Man muss sich nur in die Bilder, die diese Erzählung sind, einschauen.“

und schließlich: David Ehrlich (the dissolve.com) präsentiert uns seine Theorie, dass „Godzilla“ der erst posthumane Film ist, ein besonders spannender Beitrag zum Thema Point of View in diesem Monsterfilm:

„The film’s evocative closing shot serves as a resonant reminder that just because we’re the planet’s predominant storytellers doesn’t mean that the story is necessarily about us.“