Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

Die Budapester Puppenkiste des Herrn Anderson („Grand Budapest Hotel“)

Going to the moviesEins ist sicher: Wir alle hätten nach diesem Kinobesuch gerne eingecheckt ins „Grand Hotel Budapest“ und ein rosa-verpacktes Törtchen von Wendls probiert. Sentimental, plüschig, albern finden ihn die üblichen Verdächtigen – und sehr gut. Ein Film wie ein Bildband, wie eine Graphic Novel – im Podcast schwärmen die üblichen Verdächtigen von der überwältigenden Ausstattung und vergleichen „Grand Budapest Hotel“ mit seinem Vorgänger „Moonrise Kingdom“:

„Ich meine, seine Welt war verschwunden, bevor er sie betrat. Aber er hielt mit bemerkenswerter Anmut die Illusion aufrecht.“

heißt es am Ende über den Protagonisten des Film und ja – das bezieht Wes Anderson auch auf sich selbst. Es lohnt sich wahrscheinlich, den Film ein halbes Dutzend Mal zu schauen, Bücher darüber zu lesen, Kommentarspuren von Wes Anderson zu hören – es steckt so unglaublich viel drin. Zum Beispiel ändert sich das Filmformat je nach dem, in welcher Zeit die Szene spielt und je weiter der Film in die Vergangenheit reicht, desto grotesker werden die Geschichten und desto dekorativer die Optik. Es gibt unglaublich viel zu entdecken im Puppenkistenhotel des Herrn Anderson.

P.S. Als Kulisse diente unter anderem ein Jugenstilkaufhaus in Görlitz.

Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken

Grand Budapest Hotel (The Grand Budapest Hotel)
UK/D 2014, 100 Min., Regie: Wes Anderson

Andere Blogger, andere Meinungen

Sehr lesenswert: Unter dem knackigen Titel „Movie Genome Project“ hat Alex Matzkeit (realvirtuality) einige der vielen, vielen Inspirationsquellen und Querverweise im Film „Grand Budapest Hotel“ zusammengetragen, zum Beispiel:

„Grand Hotel (1932): Ein großer MGM-Klassiker über die Begegnungen der Reichen und nicht ganz so Reichen in einem europäischen Hotelpalast der Zeit, deutscher Titel: Menschen im Hotel. Neben dem Titel, dem Setting und dem Entstehungsjahr, was auch das Handlungsjahr von Andersons Film ist, ist auch Grand Hotel – ähnlich wie sein Budapester Cousin – eine veritable Star-Parade mit John und Lionel Barrymore, Joan Crawford, Wallace Beery, Jean Hersholt und vielleicht der definitiven Performance von Greta Garbo (“I vant to be alone …”).“

Sehr hörenswert: Im Kontroversum-Podcast von der Berlinale reden Patrick und Björn über Stärken und Schwächen von „Grand Budapest Hotel“.

Nino Klingler (critic.de) geht wortreich und mitunter gedrechselt auf Distanz zu Wes Anderson und bemängelt:

„Die Figuren antworten auf die sie umschließenden Oberflächenwelten gerne mit Emotionsregistern nahe dem Gefrierpunkt. Genau diese prekäre Balance vermag The Grand Budapest Hotel bedauerlicherweise nicht immer aufrechtzuerhalten; es obsiegt die Gier, die Gefräßigkeit, die barocke Überfrachtung und damit die Dekadenz.“