#Japanuary2021 Nr. 6: Kinoshitas JUBILATION STREET (Kanko no Machi) feat. Schneeland


Tokyo 1944: Die Regierung lässt eine Straße in der Stadt räumen – für militärische Zwecke. Keiner der Bewohner der Jubilation Street stellt diese Anordnung in Frage. Aber fast alle haben ihre Probleme damit, ihre Wurzeln zu kappen und ein neues Leben anzufangen. Da ist der Besitzer einer kleinen Druckerei, der sich nach dem letzten Auftrag mit einem Ritual von seiner Maschine verabschiedet, da ist der Vater und Ehemann, der nach langer Zeit in China ausgerechnet jetzt nach Hause kommt, da ist der junge Pilot, der sich verliebt, der aber nicht die die Ansprüche der Eltern der Geliebten erfüllt, da ist der Betreiber eines öffentlichen Badehauses, der darauf besteht, das Badehaus solange offen zu halten, wie noch ein Mensch in dieser Straße seine Dienste in Anspruch nimmt. Am Ende fügen sie sich alle in das Unvermeidliche.

JUBILATION STREET ist der dritte Film, den sich Michael und Thomas von Keisuke Kinoshita anschauen – im Rahmen der Kinoshita-Reihe, in der sie versuchen alle seine Filme zu schauen. Die Reihe wird sie noch einige Zeit beschäftigen und auf beiden Blogs – Schneeland und SchönerDenken – erscheinen. In dieser Episode (die im Rahmen des #Japanuary2021 aufgenommen wurde) sprechen die beiden über Sentos und Onzen, also die japanische Badekultur, über Perspektiven und Kameraarbeit, über verlorene Schuhe, über Heimatfront und Propaganda-Elemente, die eine kleinere Rolle spielen als in einem Film in Japan 1944 zu erwarten war.

Wir bitten die Tonqualität zu entschuldigen, eines der beiden Mikrofone hat seinen Dienst nicht getan.

Die Keisuke-Kinoshita-Reihe ist nach dem Start bei SchönerDenken ein eigener Podcast geworden! Alle 14 Tage erscheint eine neue Folge unter keisuke-kinoshita.de.


Über unseren Gast

Michael Schleeh war renommierter Kenner der asiatischen Filmkultur und Literatur, (wir empfehlen seinen wunderbaren Blog Schneeland) und ein besonders lieber Gast von SchönerDenken. Hier alle Episoden von SchönerDenken, bei denen Michael zu Gast war – viele gemeinsame Episoden haben wir auf dem japanischen Filmfestival Nippon Connection in Frankfurt am Main aufgenommen.


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste)
Musik von Johannes Klan

Jubilation Street (Kanko no Machi)
Japan 1944, 00 Min., Regie: Keisuke Kinoshita

Dieser Film ist erhältlich als Teil der Box „Kinoshita and World War II“, Eclipse Series 41 from the Criterion Collection


Andere Meinungen

„There’s no way you could read Jubilation Street as a “pro-war” film. Though it stops short of any kind of direct criticism, war (and even in one case the whole idea of Manchuria) has ruined each of these people’s lives, destroyed their community and cast them adrift in an uncertain world. What sort of glorious nation is this, and was it worth all this sacrifice?“
Hayley Scanlon für Windows on Worlds

„Offenkundig funktionale Einsprengsel, die Kinoshita möglicherweise verordnet wurden, unterläuft der Filmemacher sanftmütig. So mag sich das ausdrucksstarke Bild jener Frau, die unter imaginierten Schussgeräuschen um ihren schließlich im Krieg gefallenen Geliebten trauert, derartigen Absichten nur schwerlich fügen. Lediglich das dem Titel dann doch zuspielende Schlussbild nivelliert diesen Eindruck und beraubt den Film deutlich seiner stillen Schlagkraft.“
from beyond filmblog