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LE MANS 66: „It is not about Speed“

Christian Bale als Ken Miles in LE MANS 66 (FORD V FERRARI) © 2019 Twentieth Century Fox


Die Faszination dröhnender Motoren und lebensgefährlicher Geschwindigkeit prallt eigentlich an den Üblichen Verdächtigen ab. Dennoch hat LE MANS 66 (im Original FORD V FERRARI) die drei Jungs aus den Schuhen gehauen. Es geht um die Rivalität zwischen Ferrari und Ford Mitte der 1960er Jahre. Ferrari dominierte den Rennsport nach Belieben, gewann in Serie auch das berühmteste Rennen: Die 24 Stunden von Le Mans.

Ford stieg in das Geschäft ein, investierte sehr viel Geld, beauftragte Carroll Shelby mit der Konstruktion und forderte Ferrari in Le Mans heraus. Ja, LE MANS 66 ist ein spannender Rennfilm mit beeindruckenden Szenen auf der Piste, aufregenden Überholmanövern und spektakulären Unfällen, bei denen einem der Atem stockt. Die Kamera springt perfekt von Totalen, die die ganze Rennsituation klären, zu Nahaufnahmen des Gaspedals und zum Gesicht von Christian Bale und den Blicken seiner Konkurrenten.

Aber im Zentrum der Geschichte stehen zwei Männer, zwei Freunde: Der Rennfahrer und Konstrukteur Shelby und der leidenschaftliche britische Rennfahrer Ken Miles, der seine besten Jahre nicht am Steuer eines Rennwagens sondern am Steuer eines Panzers im Zweiten Weltkrieg verbringen musste. Mit dem Versuch von Ford, Ferarri zu schlagen, kommt für ihn noch einmal eine große Chance. In dieser Geschichte, die auf Tatsachen beruht, geht es um eine Freundschaft, um Leidenschaft, um Loyalität, Geld, Macht, Intrigen, Familie, Liebe und Träume.

Ein wunderbares Drehbuch mit starken Pointen, tollen Details und einfallsreichen Dialogen fängt die Menschen zwischen den donnernden Motoren ein. Regisseur James Mangold gelingt es dazu das Licht und die Farbe der 1960er einzufangen, Ausstattung und Szenenbild perfekt zu nutzen. Musik und Tonschnitt sind vom Allerfeinsten. Darin spielt ein hinreißendes Ensemble auf und Christian Bale liefert ganz großes Kino ab.

Das Zusammenwirken vieler großartiger Elemente ergeben hier einen großartigen Film – mit magischen Momenten, bei denen der Film uns mitnimmt, wie Vater und Sohn im Abendlicht auf der leeren Rennstrecke sitzen oder bei 7000 Umdrehungen der Film auf der Leinwand und wir mit ihm schwerelos werden und nur noch Körper sind, die durch Zeit und Raum fliegen. LE MANS 66 ist vielleicht der beste Rennsportfilm, den man ohne Steve McQueen überhaupt drehen kann und auf jeden Fall einer der besten Filme des Jahres 2019. Am Mikrofon direkt nach dem Kino sind Tom, Hendrik und Thomas noch ziemlich euphorisch.


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Le Mans 66 – Gegen jede Chance (Ford v Ferrari)
USA 2019, 153 Min., Regie: James Mangold


Andere
Meinungen

„Der Regisseur hat mit Caitriona Balfe (sie spielt Mollie Miles) die einzige Frauenrolle die der Film hergibt besetzt, aber dafür eine Frau gefunden die Christian Bale absolut auf Augenhöhe begegnet und nur fünf Jahre jünger ist als er. So etwas fällt auf, wenn ich in einem Film sitze der quasi nur aus Männern und ihren Egos besteht. Und der Film macht dafür so vieles nicht. Entscheidet sich gegen Sex und Machtgefälle. Gegen nackte PinUps an Werkstattwänden die zwar angedeutet werden, aber nur verschwommen. Wir gucken also nicht Minutenlang auf nackte Frauenkörper. Ebenso gibt es keine Pokalschwingenden Schönheiten oder Grid-Girls. Das Thema Autos hätte all das bedienen können und er tut es nicht. Das Thema Autos hätte all das bedienen können und er tut es nicht.“
Daniela Ishorst für plauschgewitter