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Ein Ballett aus Blut, Blech und Benzin: „Mad Max: Fury Road“

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Was für ein Ritt! Damit hatte kaum einer gerechnet, dass der alte George Miller eine derartig beeindruckende „Racing Opera“ abliefern würde. Nach dem Kino am Mikrofon: Tom, Harald und Thomas – stimmlich noch vom Adrenalin gezeichnet. Sie wissen gar nicht, was sie mehr begeistert: die handgemachte und bahnbrechende Action-Choreographie oder „the strong female in the lead“ oder doch die trockenen Oneliner. Was für ein Spaß, was für eine Wiedergeburt des Genres!

Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Mad Max: Fury Road
USA/AUSTRALIA 2015, 120 Min., Regie: George Miller


Andere Menschen,
andere Meinungen

„Mad Max: Fury Road“ ist ein Wendepunkt, weil er als Big-Budget-Action-Film „echt“ und „real“ wirkt. Alex Matzkeit (real virtuality) hat das in seinem Artikel „Gute und böse Computerbilder“ sehr überzeugend erklärt: „Die Stunts sind aber echt, und anscheinend ist das der entscheidende Unterschied. War Boys und Pole Cats, Tom Hardy und der Doof Warrior mit seiner feuerspeienden Gitarre waren zwar mit Drahtseilkonstruktionen abgesichert, die hinterher im Computer “rausgemalt” wurden, aber sie haben sich tatsächlich bei hoher Geschwindigkeit in der Wüste bekämpft. Der Kamerawagen fuhr mit bis zu 160 Stundenkilometern mitten zwischen den aufgemotzten Autos hindurch, auf denen Stunt-Chef Guy Norris und sein Team aus Akrobat_innen und Stuntpersonen ihr makabres Ballett aufführten.“

Pascal Reis (cinema forever) begeistert: „Die Action-Szenen aber müssen, sofern man etwas mit diesem Sujet anfangen kann, als Meisterleistung beschrieben werden, was natürlich auch nicht unwesentlich mit John Seales hervorragender Kameraarbeit und der musikalischen Untermalung von Junkie XL zusammenhängt: „Mad Max: Fury Road“ wirbelt dermaßen viel Staub auf, dass es einem vor der Leinwand selbst schwerfällt, Luft zu holen. Wenn die motorisiert-röchelnden Schlachtrösser aufeinanderprallen, entfacht sich eine wahre Urgewalt von Feuerbrunst.“

Christian Hoya (cellurizon) hat es ebenfalls umgehauen: „… eines der urgewaltigsten Actionungetüme aller Zeiten (…) „Fury Road“ ist eine Bestie von einem Film, ein total eigenes Erlebnis, ein Endzeit-Orkan ohnegleichen, ein rücksichtslos spezieller Film, der aber hoffentlich ein gewaltiges Publikum findet. Denn SO muss Actionkino sein. Es bleibt hinterher ein tiefer Abdruck im Polster des Kinosessels zurück, dermaßen heftig drückt einen „Fury Road“ da hinein.“

Michael Scharsig (farbensportlich) im Rausch: „Während der ganzen Raserei wird dem Auge jede Menge Spaß und abgedrehter Unsinn geliefert. Mein Highlight ist dabei ganz klar der Doof Warrior, der die ganze Verfolgungsjagd lässig und cool mit E-Gitarre begleitet. Hier werden dicke Frauen gemolken, Lenkräder angebetet und degenerierte Echsen gefressen. Urplötzlich zwischen all der Sonne, dem Staub und den Explosionen taucht der Zuschauer in ein tiefes Blau. Schlamm. Nebel und Dunkelheit. Krüppel, die auf Stelzen wandern und die Geräusche der Krähen wiedergeben, die um sie herum geistern. Und Peng! Zurück in die Wüste. Woooha!“

Die Filmguckerin sieht genau hin: „Hinzu kommt die Detailverliebtheit in der Ausstattung – kein Gürtel, kein Lenkrad, kein Staubkörnchen, auf das nicht noch irgendwie ein kleiner Totenkopf gemalt werden konnte. (…) Es ist, als hätte ein irres Kind in der Mad-Max-Spielzeugkiste gekramt, um dem coolen Auto noch schnell größere Räder, Stacheln, Nieten, rostige Totenkopf-Verziehrungen, wackelnde Speere, blitzende Chromteile und monströse Auspuffrohre zu verpassen.“

Der Kinomensch hat dem Regisseur auf die Finger geschaut und entdeckt: „Am besten lässt sich die Einzigartigkeit von Fury Road über zwei Einstellungsgrößen erklären, die im modernen Actionkino fast gänzlich ihren Wert verloren haben: Die Nahaufnahme und das Panorama. Beide setzt Regisseur George Miller ein, als hätte er ein verlorenes Wissen aus grauer Vorzeit wiederentdeckt; es ist eine Renaissance.“

Schlopsi (infernal cinematic affairs) steht in der Fankurve und jubelt Charlize Theron zu: „Warum dauerte es gefühlte 30 Jahre, um mal wieder eine vollständig emanzipierte Frau zu sehen, die so aufrichtig wirkt, wie Charlize Therons fantastisch gespielte Imperator Furiosa? Eine Frau, mit der man durch die Hölle und zurück gehen würde, aus dem einen simplen Grund: Weil man sie versteht und nachvollziehen kann.“

Und Jacker? Jacker mochte ihn nicht. Echt jetzt: „Ich hatte schon nach etwa einer Stunde Laufzeit nicht das Gefühl, der Film könne mir noch irgendetwas bieten, das ich nicht vorher schon in endloser, x-facher Variation gesehen habe.“

Florian Lieb (Symparanekronemoi) nimmt sich Zeit für einen umfangreichen Verriss und rechnet am Ende mit Tom Hardy ab und bezeichnet ihn als „talentfreien Stiernacken wie Tom Hardy, der mit Mad Max: Fury Road sein desaströses Portfolio nach Inception, The Dark Knight Rises und Locke weiter ergänzt.“ Da müssen wir uns dann doch erstmal die Lachtränen trocknen.