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„Penance“: Solange Ihr Euch nicht erinnert, werdet Ihr Buße tun

Penance (Nippon Connection)

Selten bekommt man Gelegenheit, eine TV-Serie gleich komplett und im Kinoformat schauen zu können. Der rd. fünfstündige Fünfteiler “Penance“ („Shokuzai“ – etwa „Schuld“ oder „Buße“) von Kiyoshi Kurosawa benötigte auch diese Zeit, um sich zu entfalten.

An einer Grundschule wird ein kleines Mädchen ermordet, der Täter entkommt unerkannt. Die Mutter des Mädchens macht die vier Freundinnen ihrer toten Tochter, die den Mörder gesehen haben, jedoch nicht identifizieren konnten, für dessen Entkommen verantwortlich und erlegt ihnen eine Buße auf; sie werde entscheiden, wann die Schuld abgetragen sei. Auf jedes der vier Mädchen hat diese traumatische Bürde eine intensive Wirkung und bestimmt ihr künftiges Leben. Jede geht jedoch völlig anders damit um.

Kurosawa erzählt in den einzelnen Episoden die Geschichte jedes einzelnen Mädchens – und zuletzt auch die der Mutter, die wie ein gefasster Racheengel das Leben der vier verfolgt. Und ganz langsam kommt man tatsächlich den wahren Hintergründen des Mordes auf die Spur.

Es ist immer schön, wenn eine filmische Erzählung die Zeit, die sie in Anspruch nimmt, auch tatsächlich ausfüllt, keine Minute zu lang oder zu kurz gerät. Mit „Penance“ ist dies in Perfektion gelungen. Sehr langsam, mit behutsamer, detailfreudiger und einfühlsamer Kamera werden die fünf  weiblichen Charaktere etabliert und begleitet, ohne dass die Erinnerung an den Mord und seine noch ausstehende Aufklärung jemals aus dem Bewusstsein verdrängt wird.

Rundum beeindruckt und hochzufrieden kommen die SchönerDenker nach fünf Stunden aus der Miniserie und erläutern – intensiv unterstützt von Patrick Thülig – das auch gerne näher:

Text und Podcast stehen unter einer Creative Commons-Lizenz.
Quelle: SchönerDenken


ÜBER DEN REGISSEUR
Kiyoshi KUROSAWA, geboren 1955 in Kobe, begann seine Karriere als Regieassistent u.a. von Shinji SOMAI. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit CURE (1997). Für TOKYO SONATA erhielt er 2008 den Prix Un Certain Regard in Cannes. Seit 2005 unterrichtet er an der Tokyo University of the Arts.

 

FILMOGRAFIE (Auswahl)
1983 Kandagawa Wars (Kandagawa Inran Senso); 1989 Sweet Home; 1997 Cure; 1999 Charisma; 2001 Pulse (Kairo); 2005 Loft (NC ’06); 2006 Retribution (Sakebi); 2008 Tokyo Sonata (NC ’09); 2013 Real

Quelle: Nippon Connection

 

Penance (Shokuzai)
Japan 2012, 300 Min., Regie: Kiyoshi KUROSAWA