Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

Seicht oder leicht? „Hail, Caesar!“

Channing Tatum in Hail, Caesar! © Universal Pictures

Channing Tatum in Hail, Caesar! © Universal Pictures


Ein Meta-Spaß, den sich die Coen-Brüder da erlauben, aber uns hat er angesteckt. Wenn Channing Tatum wie einst Gene Kelly durch die Kulissen tanzt, bekommt man das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Diese Schnurre haben wir uns im Original (mit Untertiteln) angeschaut und konnten so die Nespresso-Stimme von Clooney genauso genießen wie die Akzent-Spielereien von Scarlett Johansson, mal ganz zu schweigen von Herbert Marcuse, der sich anhört wie Slavoj Zizek.

Für Mainzer: „Hail, Caesar!“ läuft noch im Programmkino Palatin.

Am Mikrofon direkt nach dem Kino waren Tom, Thomas – und Peter, den wir endlich wieder ins Kino locken konnten :-)


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Hail, Caesar!
USA 2016, 106 Min., Regie/Drehbuch: Joel Coen und Ethan Coen


Andere Menschen,
andere Meinungen

Es gibt viel zu entdecken an Filmzitaten in „Hail, Caesar!“. Timo (Blockbuster Entertainment) zählt ein bisschen auf: „Ralph Fiennes‘ Namensname, Channing Tatums ekstatische Musicalnummer in einer nachgebauten Hafenkneipe, eine Villa auf den Klippen nach „DerunsichtbareDritte“– und „ZabriskiePoint“-Bauart. Die Coens wollten (sich) humorvoll ausstellen, lassen wir sie ruhig.“

Vielleicht sollte man als Messlatte nicht die anderen Coen-Filme anlegen. Mise en cinema erklärt: „… Im Vergleich zu vergangenen Werken der Coen-Brüder weist der Film weniger Substanz auf als gedacht. Trotzdem macht das Hail, Caesar! noch lange nicht zu einem schlechten Film. Wenn die Gags zünden, dann richtig und die Interaktionen zwischen den Charakteren sind grundsätzlich unterhaltsam.“

Andreas Eckenfels (Die Nacht der lebenden Texte) wartet mit einigen spannenden Details zum Beispiel zum Problemlöser („Fixer“) Eddie Mannix, den Josh Brolin spiel: „Berühmtheit erlangte Mannix nicht nur aufgrund der nach ihm benannten Mannix-Akte. Er wurde zudem verdächtigt, am Tod des „Superman“-Darstellers George Reeves beteiligt gewesen zu sein. Diese Geschichte wurde in dem Drama „Die Hollywood-Verschwörung“ mit Bob Hoskins in der Rolle des Eddie Mannix bereits erzählt. Die Coens nehmen es allerdings in „Hail, Casar!“ mit der Wahrheit nicht so genau …“

Es geht um filmisches Timing, erklärt uns Lukas Stern (critic.de) u.a. anhand der Szene im Schnittraum mit Frances MacDormand als Cutterin: „Wir sehen den Ursprung des Timings, den technischen Unterbau, die materiale Struktur vermittelt durch eine Sequenz, die selbst so etwas ist wie ein Schlagzeugsolo. Jäh aber wird dieser Exzess gestört: Das Bild beginnt zu ruckeln und läuft an. Der Projektor hat das Halstuch der Cutterin eingezogen. Um ihr Leben zu retten, muss Mannix den Film zurückspulen, ein Akt brutalsten Anti-Timings – und wiederum gleichzeitig hat dieses Zurückspulen retardierenden Charakter: Es spart den finalen Gag der Szene auf, der eben nur als aufgesparter ein Gag ist: ein Akt unüberbietbaren kinematografischen Timings.“

Wir pflichten Joachim Kurz (kino-zeit) bei: „Während in der Fiktion des Meta-Films „Hail, Caesar!“ die Rettung des Kinos körperliche und geistige Schwerstarbeit ist, gelingt Joel und Ethan Coen das im Handumdrehen und mit einer solchen Leichtigkeit, dass man fast neidisch wird auf so viel Lässigkeit und Nonchalance.“