Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

DIE FRAU, DIE VORAUSGEHT: Völkermord im Weichzeichner

Jessica Chastain in "Die Frau, die vorausgeht" © Tobis Film 2017


Eine weiße Frau geht zu den Ureinwohnern, verwirklicht sich politisch und künstlerisch und erklärt den Indianern zwischen Little Big Horn und Wounded Knee, wie sie sich verhalten sollen. Der Film ist etwas mehr als das. Aber nicht genug, findet Thomas. Die Massaker davor und danach werden nicht sichtbar, nicht fühlbar – „die Vernichtung der Indianer für die ganze Familie“, schimpft Thomas und steigert sich in einen Rant über diese Studienrätinnenweichspülgeschichtsstunde. 2018 muss da ein Film weiter gehen.

Während Thomas WOMAN WALKS AHEAD auf die Anklagebank zerrt, verteidigt Johanna Susanne Whites Film nach Kräften, lobt unter anderem überzeugende Darsteller wie Jessica Chastain und Sam Rockwell, die schönen Bilder, die Thomas beschimpft als „brokatbestickte Weichzeichner“. Das genaue Gegenteil von HEAVENS GATE. Am Ende hätte sich das Drehbuch viel enger an das wirklich spannende Leben der Caroline Weldon halten sollen.


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Die Frau, die vorausgeht (Woman Walks Ahead)
USA 2017, 102 Min., Regie: Susanna White

Andere Menschen,
andere Meinungen

„So ist „Die Frau, die vorausgeht“ letztlich ein etwas durchwachsener Film: Brillante Szenen blitzen nur kurz in hochsolider Konventionalität auf und die etwas verkrampft um Vielschichtigkeit bemühte Anklage des Rassismus und des Sexismus bleibt bei allen Sympathien letztlich eben doch etwas verkrampft.“
Christian Kaiser für filmgazette

„Michael Greyeyes spielt Tatánka Íyotake als (dem Anschein nach) gebrochenen Kartoffelbauern. Der Ex-Präsident eines zerschlagenen Völkerbundes hat seine Epoche überlebt. Er ist ein Schatten seiner selbst, ein lebender Leichnam: erfüllt von Zorn und Trauer. Doch möchte er immer noch die weißen Usurpatoren in den Hinterhalt ihrer bösen Absichten locken. Den Wunsch der Malerin, ihn zu porträtieren, findet er eitel.“
Jarnal Tuschick für Hard Sensations