EMPIRE OF LIGHT: Dunkelheit zwischen den Bildern

Wenn wir ehrlich sind: Wir hatten uns ein bisschen mehr von EMPIRE OF LIGHT versprochen, mehr Epik, mehr Intensität. Sam Mendes hat seinen Film sehr ruhig angelegt, er verlässt sich auf die oft betörenden Bilder des Kameramanns Roger Deakins. Und er verlässt sich auf die großartigen Schauspieler Olivia Colman (Hilary) und Michael Ward (Stephen). Es ist eine einfache Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die am Rand stehen: Hilary, die in psychiatrischer Behandlung war, und der jüngere Stephen, der als schwarzer Brite Opfer von Übergriffen wird. Das alles in einem England, das von Thatcher schon gezeichnet ist. Verhebt sich Mendes mit diesen Themen? Oder bringt er damit die unangenehmen Schlaglichter der Wirklichkeit in die Romanze? Im Podcast sind wir uns nicht einig und diskutieren über bewährte Tropen und die kinohuldigenden Filme der jüngeren Vergangenheit. Am Mikrofon direkt nach dem Film vor dem Palatin-Kino: Johanna und Thomas.


Folge 1209
Unser erster Eindruck von EMPIRE OF LIGHT
Länge: 16:16


WICHTIG: Wir haben EMPIRE OF LIGHT im Programmkino Capitol&Palatin in Mainz gesehen. Dem Programmkino Capitol&Palatin wird nach einem Gebäudekauf durch ein großes Immobilienunternehmen am 28. Oktober 2023 schließen. Mehr Informationen gibt es hier und hier. Eine Petition zum Erhalt dieses wichtigen Kinos gibt es hier. Bitte unterstützen! Wir haben in Capitol&Palatin sehr viele großartige Filme gesehen, sehr viele SchönerDenken-Episoden zu anspruchsvolleren Filmen sind vor diesem Programmkino aufgezeichnet worden. Dieses Kino ist die Grundlage der Kinokultur in Mainz: Das Programm ist hervorragend kuratiert – besondere Filme aus vielen unterschiedlichen Genres und Nationen, immer wieder auch in Originalsprache, dazu viele Veranstaltungen. Wir appellieren an die Verantwortlichen der Stadt Mainz, dieses Kino zu retten!


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken
Bild: © 2022 20th Century Studios / Disney
Musik: Johannes Klan


Empire of Light
USA 2022, 119 Min., Buch und Regie: Sam Mendes


Andere Meinungen

„Der Film verhebt sich damit gleich an mehreren schweren Themen: Miss­brauch, Rassismus, Klas­sen­hier­ar­chien, geistige Gesund­heit. Nichts davon wird derart verhan­delt, dass es einen ernsthaft ins Grübeln versetzen würde. Nie gerät die ange­bahnte Romanze so ins Schwingen, dass sie zum Anker oder Zündstoff in dem kompli­zierten sozi­al­po­li­ti­schen Gefüge taugen würde. Vielmehr geht es Mendes um die ober­fläch­liche melo­dra­ma­ti­sche Geste an sich, die hinterher im Spiegel der Kino­lein­wand und einem gegen­sei­tigen Erkennen das Hier und das Dort über­winden soll.“
Janick Nolting für artechock

„Englands Südosten und das Kino in Margate (das als Gebäude dort tatsächlich noch steht und in Betrieb ist) sind ein wunderbares Setting für diesen Film, und Ausnahme-Kameramann Roger Deakins fängt es auf gewohnt betörende und zu Recht oscar­nominierte Weise in seinen Bildern ein. Auch auf Oscar-Gewinnerin Olivia Colman ist Verlass: Einmal mehr stellt sie in dieser Rolle, die zwischen emotionalen Extremen wie dumpfer Stille und lauten Ausrastern pendelt, ihre schauspielerische Bandbreite unter Beweis – ohne unbedingt in Bestform zu sein. Sie harmoniert im Übrigen auf spannende Weise mit ihrem jungen, charismatischen Kollegen Micheal Ward.“
Patrick Heidmann für epd-film

„Kamera-Meister Roger Deakins bringt eine ganze Reihe erlesener Aufnahmen auf die Leinwand, die ihm seine 16. Oscar-Nominierung bescherten. Es sollte die einzige sein, die Empire of Light erhalten würde. Aber der Wert von Filmen macht man bekanntlich nicht an den Preisen oder dem Einspielergebnis fest. Wer damit leben kann, dass Mendes hier ein bisschen viel in die Geschichte quetschen wollte, findet ein Drama, das mal berührend, mal schockierend und manchmal einfach nur schön ist.“
Oliver Armknecht für film-rezensionen.de


Trailer