POSSIBLE LOVE: Die Lebenden und die Toten

© 2026 Pinehouse Films / Netflix

© 2026 Pinehouse Films / Netflix

Folge 1431 – Lee Chang-dong verwebt in POSSIBLE LOVE gleich drei Stoffe miteinander: Das erste Thema ist die soziale Gerechtigkeit, das zweite Thema ist das zweite Thema ist die Stabilität und die Brüchigkeit von Beziehungen und das dritte Thema ist der Umgang mit einem tiefen Trauma. In mehr als zweieinhalb Stunden wechseln sich die Themen immer wieder ab. Mi-ok und ihr Ehemann Ho-seok haben sind den Streiks der Gewerkschaft engagiert, sind aber dennoch entlassen worden. Sie sind die Toten – diejenigen, die ihren Job nicht verloren haben, sind die Lebenden.

Ho-seok fühlt sich nach einem brutalen Polizeiangriff leer, ein Phantom, in dem nichts mehr ist außer Angst, Wut und Schmerz. Als die Dokumentarfilmerin Ye-Ji über die entlassenen Arbeiter einen Film drehen will, kommen die unterdrückten Gefühle an die Oberfläche. Besonders als die Dokumentarfilmerin und ihr reicher Ehemann das Arbeiter-Paar zu einem Urlaub in die Strandvilla einlädt, zeigt sich welche Liebe möglich ist und welches (Über-)Leben.

Es gibt keine einfachen Antworten in POSSIBLE LOVE. Stattdessen komplexe Charaktere, fein beobachtete Details und die Zwischentöne des Lebens: die Ambivalenz von Lust, Neugier und Treue, die Ambivalenz von Abhängigkeit und Privilegien. Nach einem ersten Schauen lässt sich die Vielschichtigkeit des Films kaum erfassen: Zum Beispiel das Spiel mit den Perspektiven. Wir sehen auf einer Ebene, wie die Regisseurin die Szenen für ihren Dokumentarfilm dreht, wir sehen aber auch Ausschnitte aus dem von ihr gedrehten Material, es gibt Rückblicke mit verwackelter Schulterkamera, Material aus Polizeihubschraubern und die Bildschirme einer Videoüberwachung.

Im Podcast direkt nach dem Kino versuchen Johanna und Thomas ihren ersten Eindruck in Worte zu fassen, diskutieren dabei unter anderem über die Rolle der Dokumentarfilmerin, über die dichte Atmosphäre und pure Schönheit vieler Bilder, das Licht im ersten Morgengrauen und Eheringe, die verloren gehen. Wir haben den Film im Murnau-Filmtheater in Wiesbaden gesehen. Seit dem 6. November 2026 ist er auf Netflix zu sehen.

Hier unser erster Eindruck von Lee Chang-dongs Film BURNING.


Folge 1431
Unser erster Eindruck von POSSIBLE LOVE direkt nach dem Kino
Länge: 15:19


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken
Bild: © 2026 Pinehouse Films / Netflix
Musik: Johannes Klan


POSSIBLE LOVE (Ga-neung-han Sa-rang)
Südkorea 2026, 164 Min., Regie: Lee Chang-dong


Trailer