Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

Der Engel des Todes reißt seine Augen auf: Gyllenhaals Triumph „Nightcrawler“

© 2014 Concorde Filmverleih GmbH

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Ein Mann will nach oben, koste es, was es wolle.


Was für ein beeindruckender Film! Jake Gyllenhaal haut einen um als Lou Bloom, der sein Glück versucht als Kameramann für nächtliche Verbrechen und Unfälle – als Nightcrawler. Der immer höfliche Mann mit den aufgerissenen Augen hat dabei einen Plan, einen Businessplan: Erfolgreich sein, ein Unternehmen aufbauen, auch wenn er dabei über Leichen gehen muss.

„Who am I? I’m a hard worker. I set high goals and I’ve been told that I’m persistent.“

© 2014 Concorde Filmverleih GmbH

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Menschen sind dabei nur Mittel zum Zweck, sein Mitarbeiter und seine Geschäftspartnerin (Rene Russo) sind nur Faktoren, die er versucht zu kontrollieren. Er ist der fleischgewordene Raubtierkapitalismus, er lebt die skrupellose Seite des amerikanischen Traums. Dan Gilroy gelingt es, einen Spannungsfilm anzuliefern, der dabei auch Psychostudie und Gesellschaftskritik ist – vor allem aber eine Bühne für Jake Gyllenhaal.

Im Podcast zu hören: Katharina, Hendrik, Tom1 und Tom2.

Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Nightcrawler
USA 2014, 117 Min., Regie: Dan Gilroy

Andere Menschen,
andere Meinungen

Rüdiger Suchsland (telepolis): „Louis Bloom ist ein destruktiver Charakter, aber er ist auch ein Voyeur. Und damit ist er von jenem Begehren getrieben, das die Voraussetzung des Kinos ist, und das schon Stanley Kubrick in „Clockwork Orange“ oder Michael Pressburgers „Peeping Tom“ einst genial kritisierte: Hingucken wollen, hingucken müssen, egal, was zu sehen ist. Sehen und Gewalt fallen damit in eins.“

Gian-Philip Andreas (mehrfilm.de) schwärmt von Gyllenhaal: „Hohläugig und fetthaarig saust er durchs nächtliche L. A., in opportunen Momenten knipst er mit falschem Lächeln den smarten Geschäftsmann an – eine gespenstische Show, die seine Figur zwischen Nosferatu und dem “American Psycho” ansiedelt.“

Laurenz Werter (kino-zeit.de): „Nur selten zuvor hat ein Film eine derart verkommene Gestalt in den Mittelpunkt gerückt. Das macht Nightcrawler nicht gerade zur angenehmen Unterhaltung, aber faszinierend ist er auf jeden Fall. Auf seine eigene, grimmige Art und Weise, an deren Ende eine Erkenntnis steht: Menschen wie Lou Bloom möchte man nicht begegnen, da das heißen würde, dass man gerade den miesesten Tag seines Lebens erlebt.“

Und für die Ohren der CineCouch-Podcast  zu „Nightcrawler“.