Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

#Japanuary2020 Nr.4 – KILLING – Zan (Nippon Connection 2019)

SchönerDenken auf NipponConnection 2018Killing


Endlich wieder Blutfontänen aus abgetrennten Armen: Unser vierter Beitrag zum #Japanuary ist der rohe und wilde Samuraifilm KILLING des kein bisschen altersmilde gewordenen Regisseur Shinya Tsukamoto (TETSUO: THE IRON MAN). Der erste Samuraifilm mit Posttraumatischer Belastungsstörung, ein Jidai-geki, der das Töten und den gewaltverherrlichenden Kodex in Frage stellt. KILLING zeigt eine Gesellschaft am Abgrund zur Dunkelheit, in der – wie Felix sagt – „alles vor die Hunde geht, wenn der alte, fremdenfeindliche weiße Mann die Macht übernimmt“. Die Bildsprache betont den Schmutz und das Chaos des Kämpfens und Tötens, zeigt den Verfall und die Verrohung im Laufe der Handlung.

Aber es ist das unglaubliche Sounddesign von KILLING, das alle Podcaster in der Runde umgehauen hat. Das begann schon gleich am Anfang mit dem Klang des Schwertschmiedens, die Schwerter als Percussioneffekte machen aus KILLING ein „Musical aus Gewalt und Schmerz“, erklärt Lucas, oder wie Alex es formuliert: „die Stimmgabel des Todes“.

Unbedingte Empfehlung aus der ganzen Runde – aufgenommen haben wir den Podcast direkt nach der Vorführung des Films auf dem japanischen Filmfestival Nippon Connection 2019 – eine Vorführung bei der der anwesende Regisseur Tsukamoto persönlich darauf geachtet hat, dass der Film laut genug gezeigt wurde :-) Am Mikrofon waren die Nippon Connection Podcast All Stars: die ABSPANNGUCKER Alex und René, Nenad und Jury (BILDNACHWIRKUNG), Kinomensch Lucas (LONGTAKE), Stefan Gianferrari, der legendäre Felix und zum ersten Mal dabei: Stanislav (Wir reden über Filme).


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Killing (Zan)
Japan 2018, 80 Min., Regie, Drehbuch & Schnitt: Shinya TSUKAMOTO


Und das sagt Nippon Connection über KILLING:

Der herrenlose Samurai Mokunoshin lebt und arbeitet auf einem Bauernhof. In seiner Freizeit trainiert er Ichisuke, den Sohn der Familie, in der Kunst des Schwertkampfs. Eines Tages taucht der ältere Samurai Sawamura (Shinya TSUKAMOTO) auf, um Mitstreiter für einen bevorstehenden Bürgerkrieg zu gewinnen. Der erste Samurai-Film von NIPPON HONOR AWARD Preisträger Shinya TSUKAMOTO feierte seine Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Venedig und folgt einer stetigen Abwärtsspirale, bis er einem fiebrigen Alptraum gleicht. Mit seiner konsequenten Dekonstruktion des traditionellen Samurai-Kodex übt er scharfe Kritik an der Idee von „ehrenwerter“ Gewalt.

Über den Regisseur
Shinya TSUKAMOTO ist eine Koryphäe des unabhängigen japanischen Kinos. Geboren 1960 in Tokio, drehte er bereits als Jugendlicher seine ersten Kurzfilme. Nach seinem Studium der Ölmalerei arbeitete er zunächst in einer Werbeagentur und gründete eine Theatertruppe, aus der er Stab und Besetzung seines ersten Langfilms TETSUO: THE IRON MAN (1989) rekrutierte. Mit Filmen wie TOKYO FIST (1995), A SNAKE OF JUNE (2002), VITAL (2004) oder KOTOKO (2011) feierte er auf internationalen Festivals Erfolge. Als Schauspieler ist er außerdem in Werken renommierter Regisseure wie Takashi MIIKE, Teruo ISHII oder Martin Scorsese sowie in dem Publikumserfolg SHIN GODZILLA (2016) zu sehen.