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#Japanuary2020 Nr.6 – TETSUO: THE IRON MAN (Nippon Connection 2019)

SchönerDenken auf NipponConnection 2018Tetsuo: The Iron Man


Regisseur Shinya Tsukamoto persönlich gab uns vor der Aufführung von TETSUO: THE IRON MAN einen guten Rat: Wir sollten uns auf den Film einlassen wie auf ein Rockkonzert. Ein sehr, sehr lautes Rockkonzert. Und ja, die Aufführung des Experimentalfilmklassikers aus dem Jahr 1989 hatte tatsächlich Live-Qualität: Es war eine körperliche Erfahrung, der Boden bebte unter uns und die Ohren dröhnten. Pures Kino, völlig angstfrei inszeniert, rücksichtslos und überwältigend – ein 67-minütiges Gewitter, das auf die Zuschauer einprasselt wie ein Maschinengewehrfeuer.

In TETSUO: THE IRON MAN mutiert ein Mann Stück für Stück zu einer Metallmaschine, in einer oft stakkatoartigen Bilderfolge wird ein freudianischer Technoalptraum inszeniert – Sex, Gewalt und ein rotierender Bohrerpenis inbegriffen – alles in harten, tiefen Kontrasten und sehr starkem Korn, darunter der donnernde Technosound von Chu Ishikawa. Die Lautstärke hat Regisseur Tsukamoto vor Ort persönlich voll aufgedreht – so sind wir sehr beeindruckt und halbtaub aus diesem absurden, pänomenalen und rätselhäften Meilenstein gekommen.

Am Mikrofon direkt nach der Vorführung auf Nippon Connection 2019 waren die Nippon Connection Podcast All Stars René und Alex (ABSPANNGUCKER), Jury und Nenad (BILDNACHWIRKUNG), Kinomensch Lucas (LONGTAKE), Stefan Gianferrari, Harald, Hendrik und Thomas (SCHÖNERDENKEN).


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Tetsuo: The Iron Man (Tetsuo)
Japan 1989, 67 Min., Regie: Shinya TSUKAMOTO


Und das sagt Nippon Connection über TETSUO: THE IRON MAN:

Einem Büroangestellten wachsen eines Morgens Metallteile aus der Haut und bedecken bald seinen gesamten Körper. Es scheint, als sei der Mann, den er vor kurzem angefahren hat, für diese Mutation verantwortlich. Bald kommt es zur Konfrontation, die in einem apokalyptischen Finale mündet. Der Kultfilm von 1989 schwelgt in grotesken Stop-Motion-Effekten und bizarren sexuellen Fantasien, die Chu ISHIKAWA mit einem pochenden Industrialsoundtrack unterlegt. Wir zeigen das Langfilmdebüt des NIPPON HONOR AWARD Preisträgers Shinya TSUKAMOTO zum 30-jährigen Jubiläum in der digital restaurierten Version.

Über den Regisseur
Shinya TSUKAMOTO ist eine Koryphäe des unabhängigen japanischen Kinos. Geboren 1960 in Tokio, drehte er bereits als Jugendlicher seine ersten Kurzfilme. Nach seinem Studium der Ölmalerei arbeitete er zunächst in einer Werbeagentur und gründete eine Theatertruppe, aus der er Stab und Besetzung seines ersten Langfilms TETSUO: THE IRON MAN (1989) rekrutierte. Mit Filmen wie TOKYO FIST (1995), A SNAKE OF JUNE (2002), VITAL (2004) oder KOTOKO (2011) feierte er auf internationalen Festivals Erfolge. Als Schauspieler ist er außerdem in Werken renommierter Regisseure wie Takashi MIIKE, Teruo ISHII oder Martin Scorsese sowie in dem Publikumserfolg SHIN GODZILLA (2016) zu sehen.