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JOJO RABBIT: Lachen oder Nicht-Lachen?

Taiki Waititi in JOJO RABBIT © 20th Century Fox

 


Johannes Jojo Betzler ist 10 Jahre alt und wünscht sich nichts sehnlicher als in der Hitlerjugend beliebt zu sein. Als Unterstützung hat er seinen unsichtbaren Freund Adolf Hitler, auch als Ersatz für seinen Vater, der an der Front ist. In seinem unsichtbaren Freund formulieren sich auch alle Einflüsse von Nazideutschland auf den Jungen. Seine lebenskluge Mutter (großartig gespielt von Scarlett Johansson) ist offenbar gegen den Faschismus immun. So richtig ins Zweifeln gerät Jojo aber erst als er tatsächlich einen jüdischen Menschen kennenlernt – sein frisch angelernter Judenhass steht auf dem Prüfstand. Waikiki erzählt hier eine ernste und tragische Geschichte als grelle, komische Satire.

„Ist das nicht die Qualität des Films, dass er uns so irritiert?“ (Katharina)

Und damit geht bei uns die Diskussion los:  Über Nazis und die Judenverfolgung darf man Witze machen, darüber sind wir uns einig. Aber nicht jeder aus unserer Gruppe kann über den Film lachen – was nicht gegen den Film sprechen muss. Waititi ist respektlos und einfallsreich, die Pointen sitzen, das Timing ist großartig, die Schauspieler beeindruckend. Einige Bilder haben etwas Befreiendes, zum Beispiel die quietschbunte Fantasieuniform eines ganz besonderen Soldaten oder das „Durch-das-Fenster-Hinaustreten“ der Hitlervision. Ganz stark auch der Beginn, wenn es zu einer unerwarteten Überlagerung von Beatles-Begeisterung und Nationalsozialismus kommt.

Aber ist der Film gelungen? Ist er zu schön? Ist die enorme Irritation, die wir verspüren, eine große Qualität des Films? Ist der Umgang mit der NS-Ikonographie clever oder blauäugig? Fällt der Film über seinen Widersprüchen auseinander? Darüber diskutieren wir direkt nach dem Film intensiv. Am Mikrofon vor dem Capitol in Mainz: Johanna, Heidi, Katharina, Andreas, Karin, Bettina und Thomas.


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Jojo Rabbit
USA 2019, 108 Min., Regie/Drehbuch: Taika Waititi


Andere
Meinungen

„Vergleicht man Jojo Rabbit mit anderen Komödien ähnlicher Thematik, wandelt Taika Waititi eher auf den Spuren eines Mel Brooks als auf denen einen Ernst Lubitsch. Als Statement gegen Hass und rechte Gewalt taugt Jojo Rabbit nur sehr bedingt, für eine unterhaltsame Komödie ist der Humor nicht treffsicher und hintergründig genug, für eine Satire ist der Film bei aller Bemühtheit um Skurrilität zu wenig wagemutig und bisweilen von jener seichten Ironie durchtränkt, die auch die Filme eines Wes Anderson auszeichnen, ohne freilich diesem das Wasser reichen zu können. Und so bleibt der Film vor allem als bunte Coming-of-age-Komödie in schrägem Setting in Erinnerung, der bei aller Ernsthaftigkeit des Themas, Humor und Tragik nur gelegentlich in einen fruchtbaren Dialog miteinander bringt.“
Joachim Kurz für kino-zeit