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PRISONERS: Im Labyrinth von Schuld und Schmerzen

Jake Gyllenhaal in PRISONERS © Tobis 2013


Keller Dover (Hugh Jackman) ist ein harter Kerl, er beschützt seine Familie, er bringt seinem Sohn das Jagen bei und er macht sich über die Abgründe der Menschen keine Illusionen. Als seine Tochter gemeinsam mit der Tochter der Nachbarsfamilie entführt wird, kann er nicht tatenlos zusehen. Und nachdem der Ermittler Loki (Jake Gyllenhaal) den dringend Verdächtigen Alex wieder frei lassen muss, greift Dover ein. Um seine Tochter zu retten, überschreitet er Grenzen und führt uns Zuschauern ein moralisches Dilemma vor Augen: Wie weit dürfen wir gehen für unsere Kinder?

Villeneuves spannender und düsterer Thriller beschäftigt sich auch intensiv mit dem Verhältnis zwischen Dover und Loki. Auch Loki ist ein harter Kerl, der mit vollem Einsatz auf der Jagd nach dem Täter ist. Viel erfahren wir über die beiden Männer nicht, immer nur Anspielungen, bruchstückhafte Hinweise. Aber es formt sich ein Bild von zwei Männern, die ihre Rolle als starke Männer angenommen haben. Sie nehmen das Heft des Handelns in die Hand, übernehmen Verantwortung, kommen dabei an ihre Grenzen und drohen zu scheitern. Wie ähnlich sie sich sind, würden die beiden Männer sich nicht eingestehen.

Michael von Schneeland ist wieder zu Gast – er hatte sich den Film ausgesucht. Das freut Thomas, den er ist großer Fan sowohl von Denis Villeneuve als auch von Jake Gyllenhaal. In der Podcastepisode spoilern die beiden von Anfang an und diskutieren über die handwerkliche Perfektion in der Inszenierung, auch durch Roger Deakins Kameraarbeit und die beeindruckende Musik von Johann Johannson, über entsättigte Farben und feuerrote Trillerpfeifen und as Labyrinthmotiv, das sich wie ein Boccacioscher Falke durch die Geschichte ziehen. Geduldig betrachten sie die verschiedenen Ebenen, die subtilen Hinweise auf sozialen Abstieg der Mittelschicht, besprechen absichtliche Leerstellen und stellen die Frage, ob der Stoff nicht noch besser für eine Miniserie geeignet gewesen wäre. Thomas plädiert auf jeden Fall für weitere Film mit Detective Loki.

Unseren allersten Eindruck damals 2013 direkt nach dem Kino schildern die Üblichen Verdächtigen in knappen 12 Minuten hier.

P.S. Beim Kriminalroman, dessen Titel Thomas während der Aufnahme nicht einfiel, handelt es sich übrigens um Das Versprechen von Friedrich Dürrenmatt.


Über unseren Gast

Michael Schleeh ist renommierter Kenner der asiatischen Filmkultur und Literatur, (wir empfehlen seinen wunderbaren Blog Schneeland) und ein besonders lieber Gast von SchönerDenken. Hier alle Episoden von SchönerDenken, bei denen Michael zu Gast war – viele gemeinsame Episoden haben wir auf dem japanischen Filmfestival Nippon Connection in Frankfurt am Main aufgenommen.


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste)
Musik von Johannes Klan

Prisoners
USA 2013, 153 Min., Regie: Denis Villeneuve


Der Trailer


Andere
Meinungen

„Prisoners stellt seine Figuren ins Zentrum und gibt ihnen ganze 153 Minuten Spielzeit, um sich zu entwickeln. Da gibt es einiges zu beobachten: Das ständige Augenzucken von Detective Loki (und dessen anachronistischer Name), den Jake Gyllenhal mit großartiger Subtilität spielt und dessen scheinbar düstere Vergangenheit regelrecht vor dem Publikum verborgen wird; den moralischen-religiösen Zwiespalt von Hugh Jackmans Protagonisten, der den vermeintlichen Entführer foltert, um seine Tochter zu retten und damit eine kongruente Analogie zum Amerika der Terrorismusära darstellt und unbequeme Fragen aufwirft.“
Tom für Filmsucht.org

„Gerade Hugh Jackman spielt hier groß auf und liefert eine mitreißende Darbietung als seine Humanität verlierender Vater ab, die mit dafür verantwortlich ist, dass man als Zuschauer – mehr oder weniger – gebannt das Geschehen verfolgt. Dessen Mysterium um das Verschwinden der beiden Mädchen, ob Alex Jones in diesem unschuldig oder nicht ist und ob Keller Dover beziehungsweise Loki die Kinder retten können, ehe es zu spät ist – das alles macht Prisoners nicht zu einem der besten Filme oder Thriller dieses oder der letzten Jahre, sehenswert ist das Ergebnis aber durchaus.“
Florian Lieb für Symparanekronemoi

„Prisoners ist ein atmosphärischer Thriller mit einer fesselnden Geschichte, der vielleicht nicht das Rad neu erfindet, aber trotzdem auf ganzer Länge ungeahnte Spannung und Intensität aufbaut. Getragen wird der Film durch die glänzenden Darstellungen der Schauspieler und die ernsten Töne, die durch die Thematik der Selbstjustiz und der plötzlich hervorbrechenden Gewalttätigkeit angeschlagen werden, fügen sich perfekt in die Handlung und stimmen den Zuschauer nicht nur für die Länge des Films nachdenklich.“
Die Filmguckerin