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AD ASTRA: Familienaufstellung im All

Brad Pitt als Roy McBride in AD ASTRA © 2019 Twentieth Century Fox


Altmodische Requisiten, ein Pacing wie in der 1970er Jahren, wunderschöne, merkwürdig vertraut wirkende Bilder: James Gray setzt die Mondoberfläche genauso kontrastreich in Szene wie die Falten in Brad Pitts Gesicht. Brad Pitts Roy McBride wird in einer fulminanten Actionexposition als überaus nervenstark eingeführt. Emotional wird er erst, als er erfährt, dass sein totgeglaubter Vater womöglich noch lebt – weit draußen an Bord eines Raumschiffs in der Nähe des Neptun. Zwischen Vater und Sohn sind noch Rechnungen offen und zwischen der Raumfahrtbehörde und dem Vater ebenfalls.

Es wird direkt nach dem Film in der Runde viel gelobt, viel kritisiert – vor allem von Thomas, der mit dem Pathos der inneren Monologe und der Dialoge aber so gar nicht zurechtkam. Wie so oft, kommt es auch hier auf den Einflugwinkel an. Warum AD ASTRA möglicherweise gar kein Science-Fiction (als Zukunftsfilm) ist und was das alles mit Robert Redford und Stanley und Livingston in Afrika zu tun hat, all das und noch viel mehr erfahrt Ihr in der Podcastepisode. Am Mikrofon direkt nach der Vorstellung: Johanna, Heidi, Katharina und Thomas.

P.S. Nicht gesprochen haben wir über die Affen, leider. Ganz starke Szene.


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Ad Astra
USA 2019, 123 Min., Regie: James Gray


Andere
Meinungen

„Obwohl in einer nahen Zukunft spielend, handelt „Ad Astra“ insgeheim von der näheren Gegenwart – Roy McBride leidet wie ein Mann der Moderne. Er kappte egoistisch das Band zu seiner Frau (Liv Tyler), arbeitet vorrangig für seine Welt und vegetiert allein im Schleudertrauma seiner selbst. Ortsungebunden und zeitlos verwaltet er seine Existenz. Ist McBride genauso wie sein Vater McBride? Der Sohn wie der Vater, der Vater wie der Sohn? Wer ist Roy McBride? Wie in jedem anthropologisch unterfütterten Science-Fiction-Film älteren und jüngeren Datums („2001:Odyssee im Weltraum“„Solaris“, „Gravity“, „Interstellar“, „Arrival“) muss das All aushelfen. Wieder wird das All zum pädagogischen Empfangsschalter, entzwei gerissene Familien auf die Couch des Therapeuten zu hieven. Erst, indem Roy das Unbekannte schocktherapeutisch durchlebt, kann ein Leben im Bekannten gelingen – außerhalb des Einflussbereiches seines Vaters und innerhalb eines konservativen Spießbürgerlebens, das in der (heterosexuellen) Liebe das Dasein rechtfertigt. Keiner darf mehr einsam sein.“
Timo Kießling für Kopfkino

„Seinen Figuren eine echte eigene Persönlichkeit zu geben, vermag der Film nicht. Weiters fällt auf, dass es im All scheinbar nur Männer gibt. Nun ist es leider recht üblich, dass der Sci-Fi-Film und damit das kinematographische Weltall oftmals nicht mit Frauen bestückt ist, doch Ad Astra macht es schlimmer, denn die wenigen Nebenrollen sind hervorragend besetzt und werden allesamt vergeudet. Ruth Negga, Liv Tyler und Natasha Lyonne dürfen allesamt nicht mehr als drei Sätze beisteuern und werden als leidende, sich aufopfernde Figuren in den Topf geworfen oder dürfen für einen Moment die Stimmung auflockern, die ansonsten vor allem von gediegenem Selbstmitleid bestimmt wird. Es bleibt jedoch die durchaus spannende Frage nach dem größeren Sinn – den der Film ja auch sucht und nicht findet – den Filme wie Ad Astra zu suchen scheinen. Wie kommt es, dass in letzter Zeit so viele Männerfiguren ihr Herz und ihre Gefühle auf der Erde nicht finden und im Weltall suchen müssen?
Beatrice Behn für kino-zeit.de