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Wie sagt man „Nein“ zu Gott? SPOTLIGHT und der Wert der freien Presse

Spotlight @ 2016 Paramount / Getty Images


Am Mikrofon direkt nach dem Kino sind: Heidi, Martin, Bettina, Tom, Katharina, Uwe und Thomas. Wir reden über die Darstellung der Opfer, über die Erzählperspektive, über analoges und digitales Recherchieren und haben leicht unterschiedliche Meinungen, ob dieser Film den Oscar verdient hat. Meinungen und Hintergrundinformationen aus anderen Blogs und Podcasts gibt es so zahlreich, dass wir in Kürze dazu einen eigenen Beitrag veröffentlichen werden.


Gesellschaften sind geschlossener als sie es selbst wahrnehmen. Auch daher fällt es diesen Gesellschaften sehr schwer sich von innen heraus selbst über die eigenen Verbrechen klarzuwerden und sie offen auzusprechen. Dazu braucht es den Blick von außen. In SPOTLIGHT sind es ein armenisch-stämmiger Rechtsanwalt und ein jüdischer Journalist aus einer anderen Stadt, die im katholisch kontrollierten Boston den Bruch des Schweigens erst auslösen.

Der Film stellt sich durch den Verzicht wahrnehmbarer, filmischer Mittel vollständig in den Dienst der Geschichte, die er erzählen will. Selbst auf Nahaufnahmen wird verzichtet. Damit ist SPOTLIGHT das genaue Gegenteil von THE REVENANT oder auch THE BIG SHORT. Alle drei Filme basieren auf tatsächlichen Begebenheiten – aber SPOTLIGHT ist derjenige, der durch seine sparsamen Mittel tatsächlich der Wirklichkeit den Vorrang gibt. Und vielen Zuschauern klar macht: Auch ich hätte ein Opfer sein können.


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Spotlight
USA 2015, 128 Min., Regie: Tom McCarthy