Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

#Japanuary 2021 Nr. 8: HANA-BI (Feuerblume)


Alle lieben HANA-BI. Alle? Nein, in einem kleinen Dorf sind Zwei, die echt einen holprigen Start haben mit Takeshi Kitanos Kultfilm. Erst brauchen sie die erste Filmhälfte, um zu verstehen, wem eigentlich wann was passiert. Dabei ist es nicht gerade hilfreich, dass der Progatonist des Films und seine Frau beide KEINEN TON sagen. Dann wird es besser und sie können endlich die abrupten Wechsel zwischen langen Phasen wortloser Melancholie und den kurzen Ausbrüchen schweigender, blutiger Gewalt wertschätzen. Während Hendrik sich noch über Kritikerlob und internationale Auszeichnungen wundert (Goldener Löwe, Venedig 1997), will Thomas HANA-BI mit der schieren Kraft seines Willens mögen. Das klappt so mittel. Immerhin bewundern beide, wie Kitano die Allgegenwart des Todes in die verschiedenen Handlungsstränge bringt. Am Ende wird klar: HANA-Bi ist ein Film, bei man sich wünscht, man hätte ihn beim ersten Mal schon zum zweiten Mal gesehen. Beim zweiten Schauen nämlich – wenn man nicht mehr durch den Film irren muss – werden die Rückblenden und die Stilisierungen, die Gemälde, das Schweigen und das wunderbare kleine Feuerwerk, das Nishi für seine Frau inszeniert, erst ihre volle Wirkung entfalten.

HANA-BI ist der achte und letzte Film, den sich SchönerDenken im Rahmen des #Japanuary2021 angeschaut haben.



Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste)
Musik von Johannes Klan


Hana-Bi
Japan 1997, 99 Min., Buch und Regie: Takeshi Kitano

Der Trailer


Andere
Meinungen

„Takeshi Kitanos Insze­nie­rungs­stil ist ebenso lakonisch, rein und reduziert wie Beat Takeshis Spiel. Mit der resi­gnierten Gelas­sen­heit eines Verdammten läßt er den wort­kargen Nishi unauf­haltsam seinem Schicksal entge­gen­gehen; sein Gesicht gezeichnet von dem unlängst nur knapp über­lebten Motor­rad­un­fall und einer halb­sei­tigen Nerven­läh­mung, die Trauer und Zärt­lich­keit in dem stahl­harten Blick tiefer denn je. Nishi schweigt, Nishi zeigt keine Emotionen – aber nicht, weil er keine hat, sondern weil was er fühlt nicht sagbar ist, zu groß um ausge­spro­chen zu werden.“
Thomas Willmann für Artechock

„Es mag etwas schwierig sein, sofort einen Überblick über die Geschehnisse im Film zu haben. Das liegt daran, dass vor allem anfangs sehr oft zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin- und hergeschaltet wird. Doch die Frequenz dieser Cuts nimmt mit der Zeit ab und wir sehen endlich das Gesamtbild. Eine interessante Erzählweise, die Kitano auch noch mit seinen für ihn typischen langen Shots und Nahaufnahmen betont.“
Manfred Selzer für asianmovieweb