Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

#SetteGialli 1: SUSPIRIA (2018) – Die Hexen bitten zum Tanz


#SetteGialli numero uno: Dario Argentos SUSPIRIA hat uns im vergangenen Jahr zu einer Lästerepisode veranlasst, denn wir kamen mit Argentos Stil und seinen – sagen wir mal – Prioritäten gar nicht zurecht. Die SUSPIRIA-Neuverfilmung von Luca Guadagnino mit Tilda Swinton und Dakota Johnson erregte sofort unsere Aufmerksamkeit.

Nach dem Film können wir sagen: Viel Licht und viel Schatten. Die beiden Hauptdarstellerinnen haben uns in ihren Bann gezogen, der Todestanz hat uns das Blut gefrieren lassen, die Ausstattung im geteilten Berlin 1977 mit RAF-Terrorismus als Hintergrundtextur ist vom Feinsten.

Aber bei allem Potential und trotz der umwerfenden einzelnen Szenen: Guadagnino bekommt den Film nicht rund, überflüssige Nebenhandlungsstränge, ästhetische Brüche und eine brutale Überlänge nehmen dem Film seine Kraft. Im Podcast ergründen Tom und Thomas die Höhen und Tiefen dieses Versuchs und merken dabei nicht, dass sie mit der Besetzung des Psychologen am Ende doch noch Guadagnino auf den Leim gegangen sind …

  • Uno: Suspiria (Luca Guadagnino, 2018)
  • Due: The Girl Who Knew Too Much (Mario Bava, 1963)
  • Tre: Vier Fliegen auf grauem Samt (Dario Argento, 1971)
  • Quattro: Dressed To Kill (Brian De Palma, 1980)

Mehr zum #SetteGialli bei den Abspannguckern.

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Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Suspiria
Italien 2018, 152 Min., Regie: Luca Guadagnino

Andere Menschen,
andere Meinungen

Extrem lesenswert: Beatrice Behns hervorragende Analyse in ihrer Filmkritik „Machttanz:
„Hier treffen also zwei Machtsysteme aufeinander: die eindeutig maskulin verortete Macht des Nationalsozialismus und die eindeutig weiblich verortete Macht der Hexen. Sie stehen sich antagonistisch gegenüber. Mehrmals wird angedeutet, dass sich die „Tanzakademie“ im Zweiten Weltkrieg gegen das Nazi-System behauptete und auch jetzt noch in ihrer akademischen und ästhetischen Tradition in dieser Resistance verankert ist. Und doch, sie haben auch etwas gemein. Das Rituelle und Okkulte der Hexen war auch den Nazis nicht fremd. Die Mechanismen beider Systeme sind ähnlich und genau hier will Suspiria auch einhaken. Das Spiegelbildliche von Hexen und Nazis, das Simulakrum ist im Grunde doch das Gleiche. Es sind Machtsysteme, in denen man mit Hilfe bestimmter Rituale und Mechanismen, sei es zum Beispiel Marschieren oder tanzen, über Leichen geht. Die Frage ist nur der Antrieb. Was will man mit dieser Macht erreichen, was ist ihr Zweck? (…) Die Welt in Suspiria, das ist auch die jetzige Gesellschaft, ebenfalls am Scheidepunkt zwischen Machtsystemen und Genderpolitiken. Die Frage der Realität ist die gleiche, die der Films stellt: Wo wird der Tanz hingehen und wer steht am Ende noch auf der Bühne?“
Beatrice Behn für kino-zeit