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ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD: Die Wunscherfüllungsmaschine des Quentin T.

© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH Cliff Booth (BRAD PITT) in Sony Pictures' ONCE UPON A TIME... IN HOLLYWOOD von Drehbuchautor und Regisseur Quentin Tarantino


Nach Quentin Tarantinos ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD haben wir direkt nach dem Film Fragen: Warum werden Hippies ausschließlich als mordlüsterne Monster dargestellt? Warum werden die Frauen in Nebenrollen (als Klischeeschlampen und Klischeeheilige) verbannt? Warum wird der einzige Asiate als unsympathisches Aufschneiderarschloch vorgeführt? Mit historischer Genauigkeit braucht man Tarantino dabei nicht kommen: Wir befinden uns in Tarantinos märchenhaften TCU (Tarantino Cinematic Universe), einer Parallelrealität, in der zum Beispiel Hitler in einem Kino in Frankreich verbrennt. Aber zurück nach Hollywood, in einen Film, der randvoll ist mit Anspielungen und von dem es seitenweise Produktionsanekdoten gibt – für den Fall, dass einen so etwas interessiert.

ONCE UPON ist ein Buddy-Film: Rick ist ein Western-Star der 1950er, der seinen Zenit überschritten hat und weinerlich damit hadert, dass er in die zweite Reihe abgerutscht ist. Cliff ist Ricks Stunt-Double, Fahrer und Hausmeister, der keine Ambitionen und keine Sorgen kennt – abgesehen davon, dass er im Verdacht steht, seine Ehefrau ermordet zu haben … Lange führt uns Tarantino durch sein liebevoll gestaltetes Nostalgiehollywood mit einigen schönen Ideen und tollen Darstellern wie Bruce Dern, Timothy Olyphant und vielen anderen.

Im letzten Drittel entlädt sich dann die Spannung, die vorher langsam aber sicher aufgebaut wurde in einem typischen Tarantinofinale. Bei allem Unterhaltungswert: Nostalgie ist immer rückwärtsgewandt und restaurativ und die Änderung der historischen Wirklichkeit durch Tarantinos cineastische Wunscherfüllungsmaschine hat etwas infantiles, naives. Im Podcast hauen wir nach der Hälfte die Spoilerwarnung rein und bitten den Polizeihubschrauber über uns zu entschuldigen :-) Am Mikrofon direkt nach der Vorstellung: Heidi, Katharina, Karin, Andreas, Harald, Axel, Uwe und Thomas.


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Once Upon a Time in Hollywood
USA 2019, 161 Min., Regie/Drehbuch: Quentin Tarantino


Andere Menschen,
andere Meinungen

„Once Upon a Time … in Hollywood“ wirft mehrere Fragen auf: Was ist mit Booths Frau geschehen? Und: Ist der Film das Eingeständnis eines Filmemachers, der (womöglich ein letztes oder vorletztes Mal) versöhnlich vor sein Publikum tritt, indem er ein letztes oder vorletztes Mal der „PulpFiction“-Dude sein will? Wenn Booth George (Dern) auf besagter Ranch trifft, ist nichts passiert. Vorerst löst sich alles in Wohlgefallen auf. Das Leben wird verlängert, die Sterblichkeit abgewiesen. Vorerst. Denn bevor der Refrain von „Mrs. Robinson“ 1969 beschallen kann, würgt der Schnitt (Fred Raskin) den Höhepunkt ab – zu sehen sind nachfolgend die Sträucher an den Privatstraßen der Stars und Sternchen, beleuchtet von gepflegtem Lampenlicht. Jegliche Zersetzungstendenzen, die 1969 gleichfalls charakterisier(t)en, überzieht Tarantino mit der Romantik eines reichen, erfüllten Daseins. Er reflektiert nicht über ein Jahr, das mit dem Tod Sharon Tates „endet“ und dessen Kino gewissermaßen seine Unschuld verlor. Die Zeit meint es sowieso nicht gut mit den Dario Argentos, Brian De Palmas und Tim Burtons dieser Kinowelt: An genau diesem Punkt jener drei Filmemacher ist auch Quentin Tarantino angelangt. Wenngleich Tarantino Zweifel an den Entwicklungen des Gegenwartskinos hegt, liefert er allzu Gegenwärtiges: eine Kopie seiner Kopien von Kopien.“
Timo Kießling für kopfkino

Podcast-
Tipp

Second Unit #314 Once Upon A Time in Hollywood mit Christian und Tamino: „Tamino ist zurück! Tarantino auch! Mit Once Upon A Time in Hollywood liefert er nicht nur einen ungewöhnlichen Streifen, sondern auch eine… merkwürdige Auseinandersetzung mit Hollywood damals und heute ab. Wir müssen reden.“