THEY LIVE: „… and I’m all out of Bubblegum“

© 1988 Universal Pictures / Carolco Pictures

© 1988 Universal Pictures / Carolco Pictures

Folge 1398 – Auf den ersten Blick wirkt THEY LIVE heute trashig, ein Low-Budget-Film, gerade zu Beginn langsam wie ein Film der 70er, immer wieder durchsetzt mit den typischen, ruppigen und unterkomplexen Sprüchen der 80er. Mit fast vierzig Jahren Abstand wirkt er manchmal wie ein unfreiwillig komisches B-Picture, manchmal wie eine Parodie oder sogar eine Dekonstruktion des SF-Dystopie-Genres.

Im Mittelpunkt steht Nada, ein einfacher Kerl, der neu in der Stadt ist und einen Job auf dem Bau sucht. Eine passende Rolle für Wrestling-Star Roddy Piper. Und Nada glaubt noch daran, dass dass jeder, der seine Arbeit ordentlich macht, in den USA eine Chance bekommt. Erst als er eine ganz besondere Sonnenbrille findet, entdeckt er, dass Ausserirdische die Kontrolle übernommen haben. Durch die Brille kann er sie mit ihren hässlichen Fratzen erkennen und er sieht auch, dass Werbung und Unterhaltung unbewusst wahrgenommene Befehle beinhalten: Konsumiere! Gehorche! Nada entscheidet sich, die Ausserirdischen um jeden Preis aufzuhalten und ihren Fake News-Sender Fox News, sorry, Cable 54 abzuschalten.

I have come to chew bubble gum and kick ass, and I’m all out of bubble gum.

Auf dieser Ebene ist THEY LIVE heute mindestens genauso aktuell wie 1988: Was von Carpenter als augenzwinkernde Kritik an der rücksichtslosen Wirtschaftspolitik von Ronald Reagan gedacht war, passt heute erschreckend gut zum demokratiefeindlichen Hyperkapitalismus der Techbros. Thiel, Musk und Altman sind heute die „Ausserirdischen“, die mit Hilfe einer kleinen überreichen Elite aus Wirtschaft und Politik die Kontrolle übernehmen wollen. Für sie ist der Staat nur noch eine äußere Hülle im Dienst ihrer Gewinnmaximierung.

Im Podcast direkt nach dem Kino sprechen wir unter anderem über das Multitalent Carpenter und über seine Weitsicht, nicht nur den Hyperkapitalismus sondern auch Verelendung, Fake News, Drohnenangriffe und die Klimakatastrophe aufzugreifen. Wr fragen uns, ob es am Ende eine positive Botschaft gibt und sind uns sicher: THEY LIVE ist trotz seiner trashigen Elemente auf jeden Fall ein Wiedersehen wert. Am Mikrofon: Heidi, Harald und Thomas.


Folge 1398
Unser erster Eindruck von THEY LIVE direkt nach dem Kino
Länge: 11:53


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken
Bild: © 1988 Universal Pictures / Carolco Pictures
Musik: Johannes Klan


Sie Leben (They Live)
USA 1988, 94 Min., Buch und Regie: John Carpenter
basierend auf „Eight O’Clock in the Morning“ von Ray Nelson (1963)


Andere Meinung

„Nada (…) sieht und bemerkt Dinge, die ihm merkwürdig erscheinen, auch wenn er noch nicht genau weiß, warum. Wenn er die Sonnenbrille findet, die es ihm ermöglicht, die „Realität“ zu erkennen, läuft er wie in Trance durch die Straßen, ungläubig wahrnehmend, dass er sein ganzes Leben in einer Illusion verbracht hat. Sein Kumpel Frank, den er einweihen will, wehrt sich hingegen zunächst mit Händen und Füßen dagegen, die Sonnenbrille aufzusetzen: Das Nichtwissen, die Ignoranz sind durchaus bequem, und mit der Erkenntnis geht eine gewisse Verantwortung einher. Man kann nicht mehr zurück und steht vor der Frage, wie man mit dem neu erlangten Wissen umgeht. Nada und Frank wollten eigentlich nur irgendwie durchkommen, jetzt auf einmal sind sie Freiheitskämpfer in einer aussichtslosen Schlacht.“
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Schlüsselszene