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Die Magie der Gegenwart: „Victoria“ schreibt Filmgeschichte

Victoria


Als ich mir eben den Trailer noch einmal angeschaut habe, konnte ich die Tränen nicht zurückhalten. Und mehr möchte ich eigentlich gar nicht über den Film sagen. Hört Euch den Podcast an. Und schaut Euch den Film im Kino an!

Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Victoria
D 2015, 140 Min., Regie: Sebastian Schipper

Andere Menschen,
andere Meinungen

Wir können noch ein bisschen warten, bevor wir darüber reden, dass „Victoria“ Filmgeschichte ist. Urs Spörri, Kurator der Filmreihen im Kino des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt, redet auf kino-zeit.de schon jetzt darüber: „“I’m gonna break the rule“, sagt Victoria im Aufzug in gebrochenem Englisch. Genau das tut sie, das tun alle in diesem Film. Vor und hinter der Kamera. Das gab es noch nie in der Filmgeschichte, natürlich erst ermöglicht durch die digitale Entwicklung, aber das wird es wohl so ekstatisch auch nicht allzu schnell wieder geben.“

Das Team von Duoscope sortiert „Victoria“ in die deutsche Filmgeschichte ein und weiß wieder mehr – auch über die Dreharbeiten: „Um 4:30 beginnt der Take in dem eigens gebauten Club, zwei Stunden am Stück: wache Schauspieler, waches Team und superwacher Kameramann, der jede Bewegung und Aktion verfolgen und dokumentieren muss – ohne zu stören, am wenigsten die Schauspieler in ihrem Spiel –, der in Fahrzeuge ein- und aussteigen muss, Treppen und Leitern erklimmen, Spiegeln ausweichen, sich in Fahrstühle zwängen. Er wird vollkommen zu Recht als erster im Abspann erwähnt, denn seine Leistung ist nicht hoch genug zu loben.“ 

Kinomensch Lucas Barwenczik widmet sich besonders intensiv „Victoria“ – seine Beschreibung fängt die Atmosphäre des Films ein: „Die Augen hetzen vorbei. Großstädte schlafen nicht, sie sind Orte ohne Unterbrechung, ohne Stillstand eben. Ihre Straßen sind die Aorta der Welt, durch die menschliche Körper pochen. Im Alltag wird man an Gesichtern vorbei gespült, von vielen bleiben nur Schemen. (…) Langsam fährt die Kamera durch einen von Stroboskopblitzen erhellten Nachtclub, der Bass dröhnt jeden menschlichen Laut in die Bedeutungslosigkeit. Die einzelnen Leiber sind kaum zu erkennen, sie werden Teil einer amorphen, anonymen Masse. Bis plötzlich eine Protagonistin auserkoren wird.“ Auf kino-zeit.de führt uns Lucas in die Geschichte der Plansequenzen ein: „Wie oft wurde der berühmte Copacabana-Shot aus Martin ScorsesesGoodfellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia mittlerweile imitiert? Hat Iñárritus Birdman die Regie- und Kamera-Oscars nur diesem Stilmittel zu verdanken? Handelt es sich um ein Gimmick oder bereichert es das Gezeigte? Und wo genau versteckt Birdman seine Schnitte eigentlich, oder die lange Strand-Sequenz aus Joe Wrights Abbitte? Die Suche nach dem Bruch und der Imperfektion ist fast eine Art Sport geworden. „ Und sobald ich eine Stunde am Stück Ruhe habe, höre ich mir den Longtake-Podcast zu „Victoria“ an.