FilmPodcast zwischen Kirk und Kafka

THE PARTY: „This is not a very good situation …“

© Weltkino


Diese beiden Ohrfeigen! Bis sich die erste Wut in diesen beiden Ohrfeigen entlädt, ist die Jubelfeier der aufstrebenden Politikerin Janet schon längst gekippt in eine Folge von aufgedeckten Lügen und immer dramatischeren Vorwürfen. THE PARTY kommt mit wenigen Räumen, wenigen Menschen, ohne Farbe und nur mit 71 Minuten aus.

Regisseurin Sally Potter, die auch das Originaldrehbuch geschrieben hat, inszeniert ein herausragendes Ensemble mit Kristin Scott Thomas, Timothy Spall, Patricia Clarkson und wirklich umwerfend: Bruno Ganz als Gottfried. Ein Film der bösen Dialoge und der delikaten Details – zum Beispiel der Inszenierung der Filmmusik :-) Der beste Schachzug: Die Person, um das sich das ganze schwarzhumorige Drama dreht, bleibt unsichtbar.

Am Mikrofon direkt nach dem Besuch im Mainzer Programmkino Palatin: Katharina, Heidi, Martin, Uwe und Thomas.


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

The Party
Großbritannien 2017, 71 Min., Regie/Drehbuch: Sally Potter


Andere Menschen,
andere Meinungen

„Im Grunde gleicht der Film in dieser Herangehensweise einer filmischen Filterblase, für linksgerichtete, aber bequem in der Bourgeoisie situierte Guardian-Leser, der Babyboomer-Generation. Der Film ist für diese Menschen, das, was Mario Barth und RTL für ein paar soziale Klassen darunter ist: eine selbstgefällige Bestätigung des eigenen Weltbilds. Da hilft es auch wenig, dass der Film seine Pointen mit souveränem Timing vorträgt, oder dass der Raum der gutbürgerlichen Wohnung tatsächlich sehr schön in Szene gesetzt wird.“
Rainer Kienböck für Jugend ohne Film

„Witziger Weise ist das Zielpublikum von The Party mit dem Milieu der Protagonist_innen deckungsgleich: gebildete Menschen, die sich für maximal weltoffen und in der Konsequenz grundsätzlich moralisch überlegen fühlen, sich letztlich aber in denselben zwischenmenschlichen Krisen verlieren wie jede_r andere auch. Denn Achtung: In jedem Klischee steckt auch ein kleines bisschen Wahrheit! Vielleicht können wir deshalb so herrlich über Sally Potters Film lachen, mit einer Mischung aus Verlegenheit und verzweifelter Selbstironie. Aber worin auch immer dieses umfassende Unterhaltungspotential wurzeln mag: The Party ist eine wunderbare Ablenkung von den schweren Sozialdramen – des Berlinale-Programms, aber auch des eigenen Lebens.“
Die Filmlöwin

„„The Party“ – in nur zwei Wochen gedreht – ist mal endlich ein Film, bei dem man bedauert, dass er nur 71 Minuten lang ist. Vor allem Patricia Clarkson feuert im Minutentakt so wunderbar zynische Spitzen auf ihr verlogenes und zerrüttetes Umfeld ab, dass man sich wünscht, der bitterböse Spaß möge nie ein Ende haben. Potter bezeichnete die rabenschwarze Komödie in einem Interview übrigens als Reaktion auf die englische Politik. Als sie 2015 am Drehbuch gearbeitet habe, habe sie überlegt, wie sie eine Komödie schreiben könnte, die das Gefühl von chronischer Unehrlichkeit thematisiere.“
Nadine Emmerich für filmverliebt

„Unterm Strich bietet „The Party“ viele schöne Einzelszenen und einige unvergessliche Dialoge. Weniger klar wird, aus welcher Haltung heraus Sally Potter ihre Zeit- und Weggenossen auf die Schippe nimmt. In der Spannbreite von Selbstironie bis Sarkasmus ist eigentlich nur eines klar: Zumindest mit Worten darf scharf geschossen werden.“
Peter Gutting für Cinetastic



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