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DAS ENDE DER WAHRHEIT: Der Feind im Innern

Ronald Zehrfeld und Alexander Fehling in Das Ende der Wahrheit


Der Einzelne und seine Rolle im System. Eigene Verantwortung, eigene Moral und die Frage: Ist man Puppenspieler oder Marionette? Die Protagonisten Behrens und Lemke erkennen im Laufe der Thrillerhandlung, was ihre eigentliche Aufgabe ist: Sie dienen als Sicherheitspuffer für ihre Vorgesetzten, sie sollen Bauernopfer sein, wenn das illegale Vorgehen öffentlich wird.

Im Geheimdienst-Thriller-Genre lassen sich diese Themen hervorragend verhandeln. Regisseur und Drehbuchautor Philipp Leinemann gibt eine authentische, deutsche Antwort auf die Genre-prägenden US-Agentenkrimis. Er setzt dabei auf sehr gute Darsteller (vor allem Alexander Fehling und Ronald Zehrfeld), auf sorgfältige Ausstattung, einen exzellenten Score (von Sebastian Fillenberg) und einen immer steiler werdenden Spannungsbogen.

Die Handlungselemente sind aktuell: Private, globale Sicherheitsfirmen/Militärkonzerne, Drohneneinsätze, Asyl, Terrorismus und die Zusammenarbeit mit Despoten – im Kern geht es darum, worum es eigentlich bei Geheimdienstthrillern immer geht: Macht auszuüben jenseits einer parlamentarischen und rechtsstaatlichen Kontrolle. Das wird bei Leinemann besonders klar und ging uns als deutschen Zuschauerinnen und Zuschauern ziemlich unter die Haut, weil uns die Orte und Institutionen so vertraut sind.

Im Podcast direkt nach der Vorführung im Programmkino Palatin in Mainz sind wir noch ganz im Bann des dramatischen Thrillers und der expliziten Gewalt am Ende, sinnen darüber nach, was Leinemann unserer Meinung nach anders und zum Teil besser löst als US-Vorbilder und schlagen Fehling für einen Preis als bester Nebendarsteller vor (in der Tat war er nominiert beim Deutschen Filmpreis). Am Mikrofon direkt nach dem Kino: Johanna, Dominik und Thomas.


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Das Ende der Wahrheit
D 2019, 105 Min., Regie/Drehbuch: Philipp Leinemann


Andere Menschen,
andere Meinungen

„Überzeugend spielt Ronald Zehrfeld diesen Mann, der erst vieles aufgibt für seinen Job, den Geburtstag seiner Tochter verpasst, seine Beziehungen im Verborgenen führt und hinnimmt, dass sie „Leute benutzen“, wie Aline einmal sagt. Je mehr er jedoch das Spiel durchschaut, das seine Vorgesetzten (auch mit ihm) spielen, desto enttäuschter, ja, schockierter ist er vom System, das einst sein Leben war und das er mitgestaltet hat. Ebenso gut und subtil ist das Spiel von Alexander Fehling, der ebenfalls von der einen zur anderen Seite wechseln wird, vom Karrieristen zum mitfühlenden Menschen. Der Bruch, der in diesen beiden Figuren vorgeht, ist in nur wenigen Blicken und ihrer Körperhaltung zu merken, die aber ebenso wirkungsvoll zu dieser unbehaglichen Stimmung des Films beitragen wie Licht, Farbgebung und Kameraführung. Diese Beklemmung aufrechtzuerhalten, gelingt Philipp Leinemann selbst in den schönen und eigentlich harmonischen Momenten seiner Geschichte.“
Verena Schmöller für kinozeit