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HANAGATAMI: Obayashis rauschhaftes Antikriegstheater

SchönerDenken auf NipponConnection 2018Hanagatami


Was für ein Brett von einem Film! Nach Obayashis HANAGATAMI fühlt man sich, als hätte einen der Bus überfahren. Ein dreistündiges mit dem ganz dicken Pinsel gemaltes Spektakel. Ein halbes Dutzend junger Japaner am Vorabend und zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Sie sind voll Hoffnung, Sehnsucht, sexuellen Phantasien und Todessehnsucht. Das alles zeigt Obayashi mit allen Reglern auf 11: Greenscreens und gespiegelte Bilder, lila Sonnenuntergänge und Kitsch-Score bis einem Augen und Ohren bluten. Ein Antikriegsfilmbilderrausch, der immer wieder auch lächerlich anmutet, dessen formaler Mut und dessen Leidenschaft aber sprachlos macht. Maximal sehenswert.

Im Podcast direkt nach dem Film klärt uns Jan Lukas von Kompendium des Unbehagens über Obayashi auf und es gibt ein intensives therapeutisches Filmnachgespräch mit Schlopsi von Infernal Cinematic Affairs, Alex „The Voice“ von den Abspannguckern (nein, wir haben nichts manipuliert – er spricht diesmal wirklich so schnell), Michael von Kompendium des Unbehagens, Andras und von SchönerDenken Thomas.


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Hanagatami
Japan 2018, 169 Min., Regie: Nobuhiko Obayashi


Und das sagt Nippon Connection über HANAGATAMI:

Japan 1941: Der 17-jährige Toshihiko kehrt von Amsterdam in seine Heimatstadt zurück, um bei seiner Tante und todkranken Cousine zu leben. Er freundet sich mit dem athletischen Ukai und dem nachdenklichen Kira an. Gemeinsam feiern sie ausgelassen ihre Jugend, umso mehr, da sie im Angesicht des nahenden Krieges wissen, dass sie jederzeit enden könnte. Nobuhiko OBAYASHI erfüllt sich mit der Verfilmung von Kazuo DANs gleichnamigem Roman aus dem Jahr 1937 einen alten Traum. Der 80-jährige Regieveteran brennt ein stilistisches Feuerwerk ab, dessen irreale Bildwelten in ihrer betonten Künstlichkeit umso eindringlicher wirken.

Über den Regisseur
Nobuhiko OBAYASHI, 1938 in der Präfektur Hiroshima geboren, drehte in den 1960er-Jahren zahlreiche Experimentalfilme. 1977 erschien sein Langfilmdebüt, der Horrorfilm HOUSE. Für SADA gewann er 1998 bei der Berlinale den FIPRESCI-Preis. HANAGATAMI bildet nach CASTING BLOSSOMS TO THE SKY (2012) und SEVEN WEEKS (2014) den Abschluss seiner Trilogie über die Kriegszeit. Neben seinen Arbeiten fürs Kino verwirklichte er über 3000 Werbespots.

Filmografie
1977 House (Hausu); 1982 I Are You, You Am Me (Tenkosei); 1983 The Little Girl Who Conquered Time (Toki o kakeru shojo); 1985 Lonely Heart (Sabishinbo); 1998 Sada; 2012 Casting Blossoms to the Sky (Kono sora no hana: Nagaoka hanabi monogatari / NC ’12); 2014 Seven Weeks (No no nanananoka / NC ’15)