SHE SAID: Das Ende der Unantastbarkeit

Megan Twohey (Carey Mulligan) and Jodi Kantor (Zoe Kazan) in She Said, Regie: Maria Schrader © 2022 Universal Studios. All Rights Reserved.

Megan Twohey (Carey Mulligan) und Jodi Kantor (Zoe Kazan) in She Said, Regie: Maria Schrader © 2022 Universal Studios. All Rights Reserved.


Es ging nicht nur darum einen Vergewaltiger zu stoppen, einen sehr erfolgreichen Mann, der seine Macht ausgenutzt hat, um junge Frauen, die von ihm abhängig waren, zu belästigen, auszunutzen, sich an ihnen zu vergehen und ihre Leben zu zerstören. Es ging auch auch darum, das System aufzudecken, dass diesen Mann über Jahrzehnte geschützt hat – ein System von Drohungen und Schweigeverträgen, an dem viele beteiligt waren, Mitarbeiter, der Vorstand seiner Firma, Detektive und Anwälte. Und wer sich wehrte, dessen Karriere war vorbei. Alle, die es versucht hatten, waren daran gescheitert, die Wahrheit über den unantastbaren Hollywood-Mogul Harvey Weinstein zu veröffentlichen. Erst den beiden Journalistinnen Megan Twohey und Jodi Kantor ist es gelungen – ihre Recherche in der New York Times und der Mut der Frauen, die ihre Geschichte erzählt haben, beendete das frauenverachtende System Weinstein.

Maria Schraders Film konzentriert sich auf die langwierige, harte Arbeit, auf die Recherche, auf die Arbeit der Journalistinnen, die Geduld, die Rückschläge, die Zweifel, die unzähligen Telefonate. Dabei entwickelt der Film eine sogartige Wirkung: Während auf der Bildebene nur zwei Frauen hin und her laufen und telefonieren, steigt die Spannung immer weiter und erreicht Höhepunkte, wenn ein Stapel Papier auf einen Tisch gelegt wird oder ein Handy auf einem Tisch zurückgelassen wird. Der Film zeigt das Aufeinandertreffen völlig verschiedener Vorstellungen. Während die Monstrosität Weinsteins für ein mitleidloses, ausbeutendes, toxisches Patriarchat steht, verkörpern die Journalistinnen eine gleichberechtigte Welt, in der Frauen Top-Jobs haben und darin brillant sind und ihre Ehemänner versuchen, ihnen den Rücken freizuhalten.

Maria Schrader hat den richtigen Weg gefunden, diese Geschichte zu erzählen und einen großen Journalistinnenfilm geschaffen. Das finden – fast – alle der Üblichen Verdächtigen. Im Mainzer Programmkino Capitol dabei und direkt nach dem Film am Mikrofon waren: Heidi, Bettina, Kathrin, Johanna, Katharina und Thomas.


WICHTIG: Wir haben SHE SAID im Programmkino Capitol&Palatin in Mainz gesehen, sehr viele SchönerDenken-Episoden zu anspruchsvolleren Filmen sind vor diesem Programmkino aufgezeichnet worden. Dieses Kino ist die Grundlage der Kinokultur in Mainz: Das Programm ist hervorragend kuratiert – besondere Filme aus vielen unterschiedlichen Genres und Nationen, immer wieder auch in Originalsprache, dazu viele Veranstaltungen. Dem Programmkino Capitol&Palatin droht durch ein Gebäudekauf durch ein großes Immobilienunternehmen die Schließung. Mehr Informationen gibt es hier und hier. Eine Petition zum Erhalt dieses wichtigen Kinos gibt es hier. Bitte unterstützen!


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken
Bild: Filmszene aus SHE SAID © 2022 Universal Studios. All Rights Reserved.
Musik von Johannes Klan


She Said
USA 2022, 134 Min., Regie: Maria Schrader



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Andere Meinung

She Said vergisst unter der „Last“, einem überlebensgroßen Scoop mit immenser gesellschaftlicher Wucht gerecht zu werden, bisweilen das Erzählen. Schraders Journalistinnenfilm leuchtet so einige Lumen schwächer als die Glanzlichter des Genres, an die sich der Film anschmiegt. Seine Bedeutung schmälert das allerdings nicht. Im Gegenteil: Anders als andere Beispiele leitet der Film die reinigende Kraft des Journalismus mal nicht aus einer nostalgischen Vergangenheit her. Sondern richtet seine Botschaft an eines der wichtigsten Themen unserer Zeit aus. Keine rotierenden Druckerpressen mehr. Ein schnöder Publish-Button reicht. Damit steht She Said für sich.“
Patrick Torma, journalistenfilme.de


Trailer