Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

THE DEAD DON’T DIE: „This is all gonna end badly …“


Als hätte man Ed Wood 40 Jahre in einen Schrank eingesperrt, dann herausgelassen und einen Zombiefilm machen lassen. Jim Jarmusch zelebriert hier eine besondere Kunst: Bewusst einen schlechteren Film zu machen als er machen könnte – ohne Not ein B-Picture abzuliefern nach der Regel „Low Budget and Low Performing“. Unser Gast Marco sieht das eher von der Meta-Ebene und glaubt, dass Jarmusch und sein Team sehr viel Spaß hatten.

Hendrik und Thomas hatten keinen Spaß. Auch die vielen Anspielungen auf Nerd- und Zombie-Pop-Kultur reißen es nicht raus und spätestens, wenn die Rollenfiguren sozusagen die fünfte Wand durchbrechen und darüber reden, ob und wie weit sie das Drehbuch gelesen haben, ist es für Thomas vorbei. Da bleibt als Trost nur die enorme Präsenz von Tilda Swinton, die eine wirklich unerwartete Exit-Strategie aus dem Film hat.

An den Zauber von ONLY LOVERS LEFT ALIVE reicht Jarmusch hier überhaupt nicht heran. Eher bezweifelt Hendrik, ob es sich um den gleichen Regisseur handelt. Auch nicht die beste Zeit, um eine mäßige Zombie-Parodie abzuliefern, denn in den vergangenen Jahre wurde das Zombie-Genre mit vielen originellen Ansätzen neu erfunden – von ZOMBIELAND, WORLD WAR Z, RAMMBOCK über TRAIN TO BUSAN und I AM A HERO bis ONE CUT OF THE DEAD. Am Mikrofon direkt nach der Vorstellung: Hendrik, Thomas und Gast Marco Busselmaier.


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

The Dead Don’t Die
USA 2019, 119 Min., Regie: Jim Jarmusch


Andere Menschen,
andere Meinungen

„Letztendlich läuft sich The Dead Don’t Die schnell tot, denn Ideen hat er nicht. Die eigenartige neue „Normalität“, die Centerville und die USA bestimmen, wird hingenommen. Man fragt sich, wo Jarmuschs Biss, sein Punk, sein Gegenhalten geblieben sind. In diesem Film bekommt man sie jedenfalls nicht zu sehen. Doch damit liegt er scheinbar im Trend. Was fehlt ist Kino, das aufschreit und in Rage ist über das, was da passiert. Doch momentan scheinen Lähmung und Resignation vorzuherrschen. Und so gesehen ist The Dead Don’t Die dann doch im Trend.“
Beatrice Behn für kino-zeit

„Nicht die bewundernde Beschwörung einer grundsätzlichen Gleichheit Aller wird hier angestrebt, sondern das Bashing einer Gesellschaft in der Ära Trump. Damit gibt Jarmusch aber zugleich den edelmütigen Tenor seines Schaffens weitgehend auf, um sich auf kleine Attacken zu konzentrieren, welche auf konkrete Dummheiten der letzten Jahre abzielen: auf die von der Fracking-Methode bis zum menschenverursachten Klimawandel reichenden Umweltsünden, auf die Sexismen und auf die Rassismen, welche in der aktuellen Dekade unter diversen Hashtags thematisiert worden sind. (…) Hier gibt es kaum noch ein umfassendes, harmonisches Feeling, sondern einen Flickenteppich der kuriosen Ideen und bösen Spitzen. Das ist zwar kurzweilig, bleibt aber hinter den Qualitäten vieler anderer Jarmusch-Filme zurück.“
Christian Kaiser für filmgazette