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GRUNDRAUSCHEN: Im Bauch der Nachrichtenmaschine dpa

Foto: Eric Norris Creative Commons CC BY 2.0


„Raumschiff“ ist der Spitzname der dpa-Zentrale in Berlin. Die ganz alltägliche Arbeit dort zeigt zum ersten Mal Regisseur Friedrich Rackwitz in seiner Dokumentation GRUNDRAUSCHEN. Es ist eine beobachtende Dokumentation, die nicht fragt, die nicht kommentiert, die keine Musik unterlegt, die sich sogar zurückzieht, wenn spektakuläre Nachrichtenlagen aufkommen.

Es geht um den Alltag, um das Selbstverständnis, die Werte, die Diskussionen in der Nachrichtenagentur, die sehr stark das Bild der Welt prägt für uns. Der Dokumentarfilm zeigt den banal aussehenden aber unglaublich wichtigen Prozess, in dem um Wahrheit und Lesbarkeit gerungen wird. Friedrich Rackwitz sagt über das Objekt seiner siebenwöchigen Dreharbeiten:

„Die dpa ist eine Nachrichtenmaschine. Und die muss ständig laufen. 2.700 Nachrichten am Tag. Wie kann man seriös berichten, in einer Zeit, die permanent nach Geschwindigkeit verlangt? Wie kann man Pietät wahren, wo kaum eine Information als zu sensibel für die Öffentlichkeit gilt? Und wie gehen die Menschen, die die Nachrichten machen, damit um?“

Nach dem Film diskutieren die Üblichen Verdächtigen u.a. über den Blickwinkel der Dokumentation, über die Professionalität der Protagonisten und über die Rolle von Männern und Frauen in der dpa. Am Mikrofon: Heidi, Katharina, Bettina, Johanna, Uwe und Thomas.

Wir konnten diese Dokumentation, die leider weder im Kino, noch als DVD oder als Stream zur Verfügung steht, am 22.11.2017 im Cinemayence sehen. Organisiert wurde der Filmabend inklusive Gespräch mit Regisseur Rackwitz und Prof. Gregor Daschmann (Publizistik Uni Mainz) von der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz und dem Verein zur Verzögerung der Zeit. Es moderierte PJ Klein.


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Grundrauschen
D 2016, 83 Min., Regie: Friedrich Rackwitz


Andere Menschen,
andere Meinungen

„Wenn es spät – oder sehr früh – wurde, wirken seine langen Einstellungen aus den meist grau in grau gehaltenen Büroräumen hinter den oft geschlossenen Jalousien manchmal ein wenig wie in der ProSieben-Bürostubensatire „Stromberg“. Inklusive der brodelnden Kaffeemaschinen, der trostlos vereinsamten Drucker und des nächtlichen Putzteams.“
Rupert Sommer für kress.de

„Dass die Branche Grundrauschen nicht mag, ist leicht zu verstehen. Natürlich: Der Film ist anstrengend. Ewig lange Einstellungen ohne Schnitt, keine Story und keine Protagonisten, an die man sich  klammern könnte. Nicht mal Musik. Nur das Klappern der Tastaturen und das Sirren eines Großraumbüros, in dem ein paar hundert Leute das herstellen, was wir als Welt erleben. Nachrichten. Er habe in das Nervenzentrum der Mediengesellschaft schauen wollen, sagt Friedrich Rackwitz.“
Michael Meyen für Kulturkonsument

„Ich hoffe, der Film hat gezeigt, dass hier durch viele Gespräche und doppelte Recherche sehr genau und verantwortungsvoll gearbeitet wird“, betonte Rackwitz wiederholt und wies auf routinemäßig praktizierte Verfahren hin, „damit Dinge wie Falschmeldungen nicht entstehen“. Aus den Reihen sprang ihm Paul Winterer bei. „Ich oute mich jetzt mal“, sagte der Holzkirchner in Diensten des dpa-Landesdienstes Bayern und versicherte: „Es gibt keine dunkle Macht hinter der Agentur.“ Er bestätigte Rackwitz’ Eindruck, dass sorgfältig gearbeitet, viel diskutiert und um Formulierungen gerungen werde und appellierte an die Skeptiker, nicht so viel „hineinzugeheimnissen“. Journalismus sei ein Handwerk, das man erlerne und sein Leben lang ausübe: „Und das zum allergrößten Teil seriös.“
Merkur.de